Pont du Gard

Mesdames et Messieurs ~ je vous présente Le Pont du Gard
Mesdames et Messieurs ~ je vous présente
Le Pont du Gard

Nach einer regennassen Fahrt durch eine urige Gebirgslandschaft mit vielen Steineichen südlich des Herault bin ich nach Uzès an den Hinweisschildern zum Pont du Gard hängengeblieben. Eine vorübergehende Aufhellung der dichten Wolkendecke verleitete mich dazu, mir mal eben die Beine vertreten zu wollen und dieses römische Aquädukt aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert anzuschauen.

* Pont du Gard sans Bonhomme *
* Pont du Gard sans Bonhomme *

Ein Déjà-vu-Erlebnis ~ wie damals in den 90ern mit einem VW-Bus landeten der alte Herr Magirus und ich nach einer Kurve ohne Wendemöglichkeit vor einer automatischen Schranke, gezwungen, ein Ticket zu ziehen. Wie ihr in diesem Artikel sehen werdet, habe ich keine Kosten (18 €uro Eintritt, Weltkulturerbe!, Nationaldenkmal!) und Mühen (von ganz unten am Fluß, römisch Vardo fluvius, später Le Gard, modern Gardon, bis weit über die 49 Metern Höhe der Brücke geklettert) gescheut, um euch diese exklusiven Eindrücke über die Glas- und Kupferadern des Netzes auf euren Monitor zu jagen 🙂

Pont du Gard, mittlere Höhe, inclusive japanischer Touristin :)
Pont du Gard, mittlere Höhe, inclusive japanischer Touristin 🙂

Inmitten einer Busladung von Touristen wandelnd wurde meine Laune bald noch heiterer als der Himmel, als ich einen japanischen Touristen mit Selfie-Stick und Handy bei den Bemühungen beobachten konnte, sich selbst und den Pont auf die Speicherkarte zu bannen. Seine geschätzte Ehegattin wurde so lange nicht müde, vor meiner Kamera in den Himmel zu zeigen, daß mir die Zeit zu lang wurde, auf einen Schuß ohne Dame zu warten. Ja, ja, die japanischen Touristen, die sind immer für einen Schmunzler gut 🙂 Immmerhin, dieser hat mich auf die Idee gebracht, selbst auf dem obersten Bild zu erscheinen.

Pont du Gard, noch eine Stufe höher
Pont du Gard, noch eine Stufe höher
Pont du Gard, ganz oben ~ hier floß mal das Wasser
Pont du Gard, ganz oben ~ hier floß mal das Wasser

Mehr noch als der Ingenieurskunst der ollen Römer zolle ich meinen Respekt den Vermessungstechnikern, die in einer Zeit ohne Theodoliten, geschweige denn GPS, dazu fähig waren, den Verlauf dieser Wasserleitung von der Gegend von Uzès nach Nimes so genau zu planen. Ganze zwölf Meter Gefälle auf fünfzig Kilometer, pro Kilometer nur 24 Zentimeter! Wären es zwölf Meter weniger gewesen, wäre nichts geflossen. Dreizehn, es wäre rückwärts geflossen. Hundertzwanzig Meter, das Wasser wäre mit Karacho und unter Umständen zerstörerischer Gewalt durch die Leitung geschossen.

schwebend über dem Pont du Gard
* schwebend über dem Pont du Gard *
Le Gard sans Pont
Le Gard sans Pont
es wird etwas getan für's Eintrittsgeld ~ Sanierungsarbeiten mit Schubkarre, Mörtel und Kelle
es wird etwas getan für’s Eintrittsgeld ~ Sanierungsarbeiten mit Schubkarre, Mörtel und Kelle

Um noch einmal auf den Eintrittspreis zurückzukommen ~ das relativiert sich etwas dadurch, daß der alte Herr Magirus als normaler PKW durchging und ich bis zu vier Freunde und Freundinnen als Begleitung hätte mitbringen dürfen, damit es mir nicht langweilig wird. Fußgänger zahlen dreifünfzig. Und man bekommt etwas für’s Geld. Hübsch anzusehen und ohne Müll, werden auf dem Gelände sogar die unschuldigen Felsen mit niedrigen Zäunen vor zudringlichen Touristen bewahrt, damit die nicht destruktiv ihre Autogramme in den Kalkstein kerben. Auch die modernen Handwerker dürfen nicht wie früher ihre Signatur hinterlassen, Handwerksstolz und Werbung hin oder her.

Gravur der Handwerker ~ wer hat's gemacht?  Ich hab's gemacht!
Gravur der Handwerker ~ wer hat’s gemacht?
Ich hab’s gemacht!
auch Handwerker, oder deutscher Tourist 1843?
auch Handwerker, oder deutscher Tourist 1843?
noch mehr Gravurity ~ 1818? 1828?
noch mehr Gravurity ~ 1818 1828?

Und als Zugabe gibt es noch ein Infocenter mit Museum, Kino und Spieleecke, in der man die Kurzen abstellen kann, wenn die Ausgewachsenen einmal ein wenig Ruhe haben wollen. Da habe ich auch diesen gallischen Krieger photographiert, weil er mir irgendwie ähnlich vorkam . . .

Gallischer Krieger ~ sieht mir ein wenig ähnlich, oder?
Gallischer Krieger ~ sieht mir ein wenig ähnlich, oder?

Weit weniger als die römischen Ingenieruswissenschaften beindrucken mich übrigens die gallischen Fähigkeiten, eine Pfeil- oder Speerspitze genau mitten in einen menschlichen Kopf zu treiben. Aber das hatten die alten Römer genauso drauf! 🙁

Autsch! Mitten im Kopf, das ist uuungesund! aber dieser Gallier spürt schon lange keinen Schmerz mehr . . .
Autsch! Mitten im Kopf, das ist uuungesund!
aber dieser Gallier spürt schon lange keinen Schmerz mehr . . .

Und jetzt mach ich mal Schluß. Die Laufzeiten im Mobilfunknetz machen ein vernünftiges Arbeiten online unmöglich. Doppelblindschreiben wird zur Gewohnheit. GRAU-EN-HAFT!!!

2 Replies to “Pont du Gard”

  1. Ahhh, interessant, ein gallischer Krieger mit Brille, die Geschichte der Brille muss umgeschrieben werden…dieses Modell würde dir bestimmt auch gut stehen!

    1. ein scharfes Auge, meine Kommentatorin!
      die Brille habe ich ihm geliehen, damit er die Digitalkamera anschauen kann ~ kannte er auch noch nicht 🙂

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