Die Nixe Isa

Nixe Isa, die findet man immer wieder an der Donau
Nixe Isa, die findet man immer wieder an der Donau

Die Donaunixe Isa läuft einem an der Donau immer wieder über den Weg. So freizügig, wie sie sich präsentiert, wundert einen nicht, dass sie in alten Zeiten die Schiffersleut sehr beschäftigt und ab und an so abgelenkt hat, dass das zu einem Unglück führte. Nun ja, wenn man sich auf die Damenwelt einlässt, muss man mit sowas rechnen 🙁 die untere würde mir vom Gesicht her besser gefallen, auch an der Figur gibt es nichts auszusetzen. Aber der Blick! Diese ausgebohrten Augen! Nein danke! Und was will ein Mann schließlich mit einer Frau aus Holz? Und dann noch mit Fischschwanz? Wer weiß, ob das überhaupt zusammenpasst, in der Mitte, meine ich 😉

Isa
Isa
Isa
Isa
Isa
Isa

noch’n Kunstwerk!

oder: WOHIN Milch und Honig fließen

Piroge im warmen Abendlicht
Piroge im warmen Abendlicht

Ein Artikel, der jetzt auch schon mehr als eine Woche in der Pipeline steckt, aus gutem Grund ~ auf der einen Seite gehört er in den Bereich Kunst, der in den letzten Wochen hier in Oberösterreich einiges Bemerkenswertes in diesen Blog gebracht hat. Auf der anderen Seite geht es um viel mehr. Dieser Artikel gehört mindestens genauso sehr in die Kategorie der politischen Artikel, hier Polis-Angelegenheiten genannt, die mich immer besonders viel Energie für die Recherchen kosten, mich aber vor allem mental so weit herunterziehen, dass die Arbeit an einem Artikel mir die Laune zerschießt, weil das Gefühl der Machtlosigkeit gegen den Irrsinn mich überschwemmt. Und trotzdem, weil es immer noch und wieder aktuell ist, führt nichts an der Erkenntnis vorbei, dass dagegen anschreiben immer noch besser ist als nichts zu tun.

aus der erläuternden Tafel beim Werk
aus der erläuternden Tafel beim Werk

Mit der abgebildeten Piroge sind im Dezember 2006 fast einhundert Menschen von Afrika aus in dem zwar vor der afrikanischen Küste liegenden, aber zu Spanien und damit Europa gehörenden Teneriffa angekommen. Fast tausend Kilometer in einer offenen Nussschale aus Holz über einen Ozean, der auch in diesem Monat wahrlich nicht für eine Kaffeefahrt geeignet ist. Die Künstlerin, Photographin und Produzentin Susanne Posegga holte das Boot für das Projekt ’stranded‘ von Christoph Dräger im Rahmen des Festival der Regionen 2007 nach Schlierbach (OÖ), später war es auch bei Linz09 zu sehen. Seit 2009 steht es auf dem Hochwasserdamm von Ottensheim bei Linz, wo ich es entdeckt habe.

Piroge im warmen Abendlicht
Piroge im warmen Abendlicht

Im Mai 2011 begab sich Susanne Posegga in den Senegal, um die Geschichte des Flüchtlingsbootes nach den Namen und der Bemalung zu recherchieren und zu dokumentieren, fand heraus, wem das Boot gehört hatte, und dass die Namen an den Seiten die seiner Ehefrau und seiner Großmutter sind. Das Boot musste er aus Not verkaufen, und genau an diesem Punkt fängt die Geschichte an, in die Kategorie der Polis-Angelegenheiten zu fallen! Und ist immer noch, nach 14 Jahren, hochaktuell!

Piroge, Heck, Ruderbeschlag
Piroge, Heck, Ruderbeschlag

Denn immer noch und wieder viel mehr afrikanische Flüchtlinge kommen auf den Kanarischen Inseln an, seit die Route über’s Mittelmeer so gut wie dichtgemacht worden ist. Die EU hat ihre Grenzschutztruppe Frontex massiv aufgerüstet, kontrolliert mit Drohnen aus der Luft, kooperiert mit (und bezahlt!) marodierende(n) bewaffnete(n) Milizen in Lybien, die die Flüchtlinge abgreifen und in Lager stecken, wo Folter und Vergewaltigung zur Tagesordnung gehören. Private Hilfsorganisationen, die in Seenot geratene Flüchtlingsboote suchen und retten wollen, werden massiv behindert, Flugzeuge und Schiffe beschlagnahmt und am Boden / im Hafen festgesetzt. In Afrika kungelt man mit viel Geld sogar mit Diktatoren, damit Flüchtlinge auf dem Weg aufgehalten werden, da sind die gern geäußerten Mahnungen zu den Menschenrechten schnell vergessen. Man kooperiert mit der Türkei, mit dem in den Medien gerne Autokrat genannten Erdogan, zahlt Milliarden, damit er die Flüchtlinge daran hindert, nach Griechenland in die EU zu kommen. Ganz konkret soll sogar das Schiff Uckermark der deutschen Bundespolizei geholfen haben, dass ein Flüchtlingsschiff, das schon griechische Gewässer erreicht hatte, von der griechischen Küstenwache zurück in türkische Gewässer getrieben werden konnte. Pushback nennt man sowas, und verstößt gegen EU-Flüchtlingsrecht und Völkerrecht.

Piroge, Innenleben
Piroge, Innenleben

Also weichen die Flüchtlinge auf die noch weitaus gefährlichere Route zu den Kanarischen Inseln aus. Insgesamt 8.157 Migranten haben allein im November, innerhalb 30 Tagen, auf Schlauch- oder Holzbooten die Kanaren erreicht, ein Rekord. Wir sprechen hier in Europa über das exponentielle Wachstum der Corona-Infektionen, aber das ‚Wachstum‘ der Flüchtlingslandungen auf den Kanaren ist nun wirklich exponentiell, was auch daran liegen wird, dass die Auswirkungen der Corona-Krise in Afrika nach UN-Bericht bis zu 90% der Bevölkerung Einkommensverluste beschert:

Flüchtlinge, die über See auf die Kanaren kommen. Quelle: Spanisches Innenministerium, epdata.es
Flüchtlinge, die über See auf die Kanaren kommen. Quelle: Spanisches Innenministerium, epdata.es

Die Statistik im Original anschauen

Bei den Recherchen zu diesem Artikel hab ich einiges gelesen (eine kleine Linksammlung am Ende des Artikels). Besonders gespannt war ich nach dem Titel auf den Beitrag unseres ZDF (mit dem Zweiten sieht man besser!) ‚Warum die Kanaren wieder Flüchtlingshotspot sind:‘ „Dass jetzt wieder mehr afrikanische Migranten den Atlantik überqueren, liegt vor allem daran, dass die Mittelmeer-Fluchtrouten über nordafrikanische Länder wie Marokko und Libyen mithilfe der EU in den letzten Jahren dicht gemacht wurden. Dazu kommen Grenzschließungen wegen der Corona-Pandemie, die die Reise auf dem Landweg erschweren.“

Wieso diese Menschen, um die hundert in einem solchen Boot, sich auf den gefährlichen und teuren (bis zu 2000 €uronen verlangen die Schlepper für ein Ticket!) Weg machen, wird nur am Rande gestreift. Am Schluss wird eine zurückgeführte Flüchtige zitiert:

Ich sage ihnen, geht nicht! Die Reise ist nicht einfach und man sieht Dinge, die man in seinem Leben nicht sehen sollte. Fatoumata Sonko

Auf gut Deutsch: Bleibt bloß weg, es lohnt sich nicht!

Die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson äußert sich so: „Auf den Kanaren komme es jetzt darauf an, dass jene, die kein Recht auf internationalen Schutz hätten, effektiv zurückgeführt würden. Zugleich müsse das Recht auf Asyl gewahrt bleiben.“

Wir wollen ja schließlich keine Wirtschaftsflüchtlinge auf unserem Geldbeutel liegen haben! Aber jetzt fragen wir uns einmal tatsächlich, WIESO diese Menschen sich auf den Weg machen, Tod, Folter und Vergewaltigung riskieren. Und was die EU damit zu tun hat!

Gehen wir also zurück zu der oben abgebildeten Piroge. Der Besitzer musste sie ein paar Wochen, bevor sie zu dem Sprung zu den Kanaren ansetzte, ‚aus Not‘ verkaufen. Wirtschaftliche Gründe also. Wie kommt es dazu?

Fischgründe der spanischen Flotte 2010 ~ die Ozeane hier bunt, je röter, desto mehr Fisch wird gefangen. Land grau. Vor der afrikanischen Küste fehlt der weiße Rand der 200-Meilen-Zone!
Fischgründe der spanischen Flotte 2010 ~ die Ozeane hier bunt, je röter, desto mehr Fisch wird gefangen. Land grau. Vor der afrikanischen Küste fehlt der weiße Rand der 200-Meilen-Zone!

Ein aktueller Artikel von Greenpeace erhellt ein wenig das Dunkel. Die Küste vor Westafrika wird von überwiegend aus Europa stammenden Trawlern leergefischt, hochsubventioniert. Allein die direkten Subventionen an eine einzige Firma (PFA) beliefen sich zwischen 1994 und 2006 auf 21,2 Millionen Euro. 142,7 Millionen zahlte sie für die Fischereirechte vor Marokko und Mauretanien. Für den Treibstoff für die Trawler wird keinerlei Steuer verlangt, auch eine Subvention! 78,2 Millionen Euro Jahr für Jahr – nur durch die Fischereiaktivitäten der PFA. Greenpeace thematisiert das unter ökologischen Interessen, das macht natürlich Sinn. Laut EU selber sind bis zu 88% der kommerziell genutzten Bestände überfischt, sie sinken rapide, die Fangquoten sind viel zu hoch, als dass sich die Bestände erholen könnten. Eine Subvention macht von der Seite her keinen Sinn!

Aber was hat das mit den Flüchtlingen zu tun?

So macht man einen kompletten Wirtschaftszweig nicht nur eines Landes, sondern von ganz Westafrikas kaputt!

Denn das Geld landet natürlich nicht bei den Fischern, sondern in den Taschen einer korrupten politischen Kaste. Die gesamte Küste Westafrikas wird von hochtechnisierten Trawlern leergefischt, für die heimischen Fischer mit ihren Pirogen bleibt da nichts mehr übrig, die werden in den Ruin getrieben. Die Menschen können dann ihren Fisch in Dosen kaufen, von der EU importiert! Von welchem Geld? Interessiert uns nicht!

Schlimm genug! Wenn das das Einzige wäre!

Kredite

Die Weltbank gewährt afrikanischen Staaten die für die Entwicklung dringend nötigen Kredite nur unter strikten Bedingungen, die vor allem eine Öffnung für ausländische, sprich westliche sogenannte ‚Investoren‘ beinhalten, am liebsten über sogenannte ‚Freihandelsabkommen‘ („Economic Partnership Agreements“, kurz EPAs). Dadurch hat Europa dann die Möglichkeit, in der EU hochsubventionierte landwirtschaftliche Erzeugnisse (fast 60 Milliarden €uro schüttet die EU jedes Jahr an ihre Landwirte aus!) zum Teil unter Gestehungspreis nach Afrika zu exportieren. Die heimischen Bauern können mit den Preisen nicht konkurrieren und müssen aufgeben.

Landgrabbing

Ertragreiche Landwirtschaftliche Flächen werden weltweit immer mehr zur Mangelware, deswegen kaufen in den letzten Jahren immer mehr Investoren, in der Regel kapitalkräftige Aktiengesellschaften, große Gebiete auch in Afrika auf. Da die Landwirte da überwiegend seit Generationen Flächen bewirtschaften, zu denen sie keinen Titel, will heißen keine Besitzurkunde haben, denn so etwas hat es bis dahin schlicht nicht gegeben, wird das Land sozusagen über ihren Kopf hinweg verkauft. Die Bauern werden vertrieben. Im Land profitiert allenfalls eine Politkaste, die in den Metropolen wohnt. Auf den Flächen werden dann weniger Nahrungsmittel (~1/3), dafür eher Futterpflanzen für den Export oder ‚Energiepflanzen‘ zur Erzeugung von Brennstoffen ‚kultiviert‘. Dazu kommt dann noch, dass beim Verkauf des Landes meist auch die Wasserrechte inbegriffen sind, sodass auch das Wasser unter ausländische Kontrolle gerät!

Rohstoffe

Öl oder seltene Erden, die wir für unsere elektronischen Gadgets und die Digitalisierung brauchen, werden unter Zerstörung der Umwelt dem Kontinent entrissen, unter Inkaufnahme von der Sklaverei nicht nur ähnlichen Arbeitsbedingungen. Unseren Elektronikschrott exportieren wir wieder nach Afrika, weil es billiger ist als eine umweltgerechte Entsorgung und Recycling bei uns. Afrika als Sondermüllkippe!

Failed States

Und dann werden immer wieder Regierungen gestürzt, die Zahl der ‚Failed States‘ werden immer mehr. In dem danach entstehenden Chaos kämpfen diverse schwerbewaffnete Milizen um die Macht, die ein Leben in diesen Staaten zur Hölle machen. Der Westen, auch die EU, ist politisch, militärisch und über Waffenexporte mit daran beteiligt.

Raffgier, Ausbeutung

Der Kolonialismus ist zwar Geschichte, seine Folgen aber noch lange nicht aufgearbeitet und wieder gutgemacht. Realistisch betrachtet geht die Ausbeutung des Kontinents mit den Mitteln der finanziellen Übermacht weiter wie gehabt. Wir, die wohlhabenden Länder, allen voran die EU, zerstören mit unseren egoistischen Wirtschaftsinteressen wenigstens halbwegs funktionierende Strukturen auf dem Kontinent. Den chancenlosen Menschen, die ihr Heil in einer ~ lebensgefährlichen ~ Flucht in die Gegend der Welt suchen, WOHIN MILCH UND HONIG FLIESSEN, denen erzählen wir dann, sie seien Wirtschaftsflüchtlinge:

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson: „Auf den Kanaren komme es jetzt darauf an, dass jene, die kein Recht auf internationalen Schutz hätten, effektiv zurückgeführt würden. Zugleich müsse das Recht auf Asyl gewahrt bleiben.“

Die Ausbeutung von Afrika ist ein politischer Akt der sogenannten 1. Welt, durchgeführt mit der überwältigenden ökonomischen Macht, und wenn die nicht reicht, auch mit militärischer.

Insofern sind diejenigen, die hierherkommen, auch als politische Flüchtlinge mit Recht auf Asyl zu sehen, weil ihre Notlage durch unsere Politik zustande kommt. Punkt!

Meine direkte, ehrliche Meinung zum Schluss: ES KOTZT MICH AN!!!

Ich wünsche allen fröhliche Weihnachten!

Linksammlung:

Website von Susanne Posegga

Redaktionsnetzwerk Deutschland: Immer mehr Flüchtlinge kommen über die tödlichste Route

EU-Innenkommissarin Ylva Johansson: Auf den Kanaren komme es jetzt darauf an, dass jene, die kein Recht auf internationalen Schutz hätten, effektiv zurückgeführt würden. Zugleich müsse das Recht auf Asyl gewahrt bleiben.

Deutsche Welle: Kanarische Inseln ziehen immer mehr Migranten an

Die Kanarischen Inseln erleben derzeit eine breite Flüchtlingswelle. Allein von Samstag bis Montag kamen gut 2200 Migranten in 58 offenen Holzbooten auf den spanischen Urlaubsinseln im Atlantischen Ozean an. So viele Menschen aus afrikanischen Ländern wurden zuletzt während der Flüchtlingskrise 2006 registriert, meldete die Nachrichtenagentur Europa Press. Die meisten Migranten gingen in der Hafenstadt Arguineguin im Süden von Gran Canaria an Land. Dort platzt das Aufnahmelager des Roten Kreuzes aus allen Nähten. Mehr als 1.500 Menschen teilen sich ein Dutzend Duschen und Dixi-Klos. Viele Ankömmlinge müssen zunächst auf dem Steinboden der Hafenmole schlafen.

Deutsche Welle: Mindestens 140 Migranten vor der Küste Senegals ertrunken

Die Kanaren scheinen aus afrikanischer Perspektive zum Greifen nahe. Immer wieder wagen Flüchtlinge deshalb in (zu) kleinen Booten die Überfahrt. Nun ist diese einmal mehr zur Todesfalle geworden.

Greenpeace: Subventionen für die Plünderung der Meere

Die Arten der Fördermittel an die PFA sind sehr unterschiedlich und nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. So werden direkte Subventionen von EU und Mitgliedsstaat gezahlt, um etwa Motoren, Fanggeräte und sonstige Ausstattung an Bord der Schiffe zu modernisieren. Die direkten Fördergelder an die PFA beliefen sich zwischen 1994 und 2006 auf insgesamt 21,2 Millionen Euro.

Um ganz andere Summen geht es, wenn man den Weg der indirekten Subventionen, beispielsweise steuerbefreiter Kraftstoff und Zugangsrechte zur Fischerei vor Westafrika, an die PFA zurück verfolgt. Der EU war es geschätzte 142,7 Millionen Euro wert, der PFA zwischen 2006 und 2012 Zugang zu Fischereigründen vor Marokko und Mauretanien zu ermöglichen. Die privaten Fischereibetriebe müssen dabei nur einen marginalen Anteil selber finanzieren – zwischen 4,6 und 11,1 Prozent. Legal kommt man billiger nicht an Fisch in anderen Regionen heran.

Weiterhin erhebt die EU auf beinahe jeden Energieverbrauch Steuern – jedoch nicht in der Schifffahrt beziehungsweise der Fischerei. Verglichen mit einer realistischen Versteuerung des Treibstoffverbrauchs in der Schifffahrt entgehen dem Fiskus jährlich bis zu 78,2 Millionen Euro pro Jahr – nur durch die Fischereiaktivitäten der PFA. Unter dem Strich ergeben die unabhängigen Analysen, dass ohne finanzielle Zuwendungen aus öffentlicher Hand den Unternehmen der PFA ein durchschnittlicher finanzieller Schaden von jährlich bis zu 50,3 Millionen Euro entstehen würde.

Ausführlicher Artikel auf Telepolis zur Fischereipolitik: Der große Fischzug

Word Ocean Review

Süddeutsche Zeitung: Europa verschiebt seine Aussengrenze nach Afrika

Deutsche Welle: EU-Freihandelsabkommen mit Afrika: Hilfe oder Selbstbedienung?

Brot für die Welt: Kritik an EU-Afrika Handelsabkommen (EPAs)

„Die so genannten Wirtschaftspartnerschaftsabkommen stellen einen tiefen Angriff auf die Wirtschaftsstrukturen afrikanischer Länder und Regionen dar. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern werden einer unfairen Konkurrenz mit der EU ausgesetzt“, betont Roland Süß von Attac Deutschland. „Die Abkommen führen zu massiven Verlusten von Staatseinnahmen durch Zollabbau. Darüber hinaus sprechen sie den afrikanischen Ländern das Recht ab, strategische Partnerschaften mit Drittländern mit einem bestimmten Anteil am Welthandel abzuschließen. Somit stören sie viele der Prozesse, die die Afrikanische Union anstößt.“

Deutsche Welle: EU-Freihandel mit Afrika: Unfairer Deal?

Was passiert, wenn die EU einerseits versucht, Fluchtursachen zu bekämpfen, aber andererseits gleichzeitig neue schafft? Die geplanten Handelsabkommen zwischen Afrika und EU könnten genau das tun, befürchten Kritiker.

Die Donau, die Römer und Miguel Horn

da geht's lang!
da geht’s lang!

Mit der gestrigen reichlich anstrengenden Radtour vom Ufer der Donau, viereinhalb Stunden über Berg und Tal, gleich am Anfang 19% Steigung, dann immer wieder gefühlt mehr rauf als runter zum Aussichtspunkt Schlögener Blick auf die Donauschleife bei Schlögen, findet ein Artikel ein zumindest vorläufiges Ende, der mich die letzten 8 Tage beschäftigt hat ~ eine Sammlung einiger Werke des Bildhauers Miguel Horn.

Donauschleife Schlögener Schlinge
Donauschleife Schlögener Schlinge

Ohne das Wissen darum, dass Miguel Horn einen Wegweiser zum ‚Blick‘ und einen Kopf des römischen Wächters direkt am Aussichtspunkt gestaltet hat, hätte ich diese Tour de Force wahrscheinlich nicht in Angriff genommen ~ und bestimmt auch nicht mit dem Fahrrad, wenn ich im Voraus gewusst hätte, wie anstrengend das wird. Ich bin ja schließlich kein Masochist, oder? 🙂

der römische Wächter
der römische Wächter

Aber fangen wir mal mit einer Erklärung der Überschrift an, die Donau und die Römer. Die Donau war hier die nördliche Grenze des antiken römischen Reiches. Militär war zur Sicherung der Grenzen stationiert, und Österreichs Touristikwirtschaft bezieht sich natürlich gerne darauf, um die Rad- und Wanderwege an der Donau mit ein wenig historischem Geschmäckle aufzupeppen. Es gibt einige Museen, die die Anwesenheit der Römer in der Gegend thematisieren (zur Zeit alle wegen Corona geschlossen), so auch das Römerburgus Oberranna / Engelhartszell. Und den ganzen Donauradweg und den Donauwanderweg Donaustieg entlang findet man immer wieder Hinweise auf die Anwesenheit des Imperium Romanum im heutigen Oberösterreich. Oft auch mit aus Edelstahl geformten Reliefs des Künstlers Miguel Horn. Das hat mich neugierig gemacht (oder war ich schon immmer so? 🙂 )

Miguel Horn ~ Römischer Wächter
Miguel Horn ~ Römischer Wächter

Der 1948 in Passau geborene Miguel Horn, aber in Chile aufgewachsen und erst als Erwachsener nach Europa zurückgekehrt, inzwischen in Niederösterreich in Neuhofen an der Ybbs zu Hause, ist hier überall so präsent, dass man kaum an ihm vorbeikommt. Und ich, der ich in jüngeren Jahren sehr viel mit Stahl gearbeitet habe, schon gar nicht. Ich hab so den Verdacht, dass im Hintergrund dieser Faszination so eine Art Seelenverwandschaft an mir zupft, wie ich gestern beim Anblick von ‚Panta Rhei‘ feststellen konnte. Nicht nur dass das ‚Alles fließt‘ mit zum Motto meines mobilen Lebens gehört und mich an Flüssen entlanghangeln lässt, sei es Rhein, Rhone, Mosel, Ebro oder jetzt die Donau ~ die Themen des Mannes (laut Wikipedia die ’negativen Auswirkungen unseres Wohlstands: Verlust der Individualität, Zurückdrängung indigener Völker, Zerstörung letzter Naturreservate, um nur einige zu nennen‘ sind meinen verwandt. Mit dem Unterschied, dass er nicht nur unwahrscheinlich produktiv ist, während unsereiner oft sinnierend auf das vorbeifließende Wasser schaut . . . und eine Durchsetzungskraft hat, die mir abgeht. Man kann es auch ein gerüttelt Maß an Frechheit nennen, wenn er wie 1975 seine fünf Meter hohe Skulptur Je cherche mon visage unautorisiert unter dem Eiffelturm in Paris aufstellt 🙂 Vielleicht hätte ich Ende der 90er COR vor dem Freiburger Münster aufstellen sollen . . . Miguel nennt seine Skulpturen zu Holz, Stein und Metall erstarrte Gedankengänge. Also lasst uns mitdenken, mitträumen!

Miguel Horn ~ Römischer Wächter
Miguel Horn ~ Römischer Wächter am Römerburgus Oberranna / Engelhartszell ~ im Hintergrund der alte Herr Magirus
Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei

Zitat Miguel Horn: Die Skulptur „Panta Rhei“ setzt sich aus vielen urtümlichen Fischen zusammen, die sich gegenseitig beim Durchschwimmen der Schlinge unterstützen. Jedes einzelne Element trägt zur Stabilität der Skulptur bei, so wie in jedem Ökosystem nur die Vielfalt der Organismen seine Stabilität gewährleistet.

Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei
Miguel Horn ~ Panta Rhei

Die erste Arbeit, die mir von Miguel Horn aufgefallen ist, war die Donaunixe an der Promenade von Aschach mit ihrem (w)irren Haar und der ‚römischen‘ Nase 😉

 Miguel Horn ~ Donaunixe ~ Relief in edlem Stahl ~ b&w-Ausarbeitung
Miguel Horn ~ Donaunixe ~ Relief in edlem Stahl ~ b&w-Ausarbeitung
und noch ein Römer . . .
und noch ein Römer . . .

Und nun zum Schluss noch einige Skulpturen, die zur Zeit als Leihgabe am Ufer der Donau bei Engelhartszell aufgestellt sind.

Miguel Horn ~ Phönix aus der Asche
Miguel Horn ~ Phönix aus der Asche
Miguel Horn ~ Abgesang der bedrohten Völker
Miguel Horn ~ Abgesang der bedrohten Völker
Miguel Horn ~ Das Rad des Dharma
Miguel Horn ~ Das Rad des Dharma
Miguel Horn ~ Zoaga
Miguel Horn ~ Zoaga
Miguel Horn ~ Birnbeitla
Miguel Horn ~ Birnbeitla
Miguel Horn ~ Birnbeitla
Miguel Horn ~ Birnbeitla

Links:
Webseite von Miguel Horn
Wikipedia über Miguel Horn
Römisches Erbe in Oberösterreich

Verschwörung in Linz?

Was haben die hier überall rumzusitzen? Verschwörung?
Was haben die hier überall rumzusitzen? Verschwörung?

Wie schon hier festgestellt, sitzen in Linz überall verhüllte Gestalten herum, zum Teil alleine, zum Teil in Gruppen, wie zur Beratung, zum Teil sogar mit geheimnnisvollen Kabeln verbunden. Verdächtig! Das muss eine Verschwörung sein! Wieso tut da niemand was dagegen?

zum Teil in bunter Camouflage . . .
zum Teil in bunter Camouflage . . .
. . .  zumTeil verbunden durch geheimnisvolle Kabel
. . . zumTeil verbunden durch geheimnisvolle Kabel

Sooo ~ jetzt noch ein Nachtrag am 8.November. Inzwischen weiß ich, welcher Künstler diese Werke erschaffen hat. Es ist Manfred Kielnhofer und die Skulpturen sind die Guardians of Time. Mehr über die Guardians und über den Künstler erfahrt ihr über folgende Links:

Wikipedia über Manfred Kielnhofer
Die Website kielnhofer.at
Manfred Kielnhofer im Blog von sculpture.pro
Der Guardians-of-Time-Club

Dank dir, Manfred!

Mural Harbor Gallery Linz ~ eine Orgie in Graffiti und Muralismo

outch!
outch!

Seit 2012 wächst das Projekt Mural Harbor auf dem Handels-Hafen-Gelände von Linz. Nach der Website des Projekts Mural Harbor Europas größte Graffiti und Muralismo Galerie. 300 Wandgemälde und Graffiti, 23 Murals über 100 qm Wandfläche, 8 Murals über 500 qm Wandfläche. Eine Orgie, die ich mir letzten Sonntag gegönnt habe. Wer selbst einmal ein eigenes Werk realisieren und deswegen die zu Grunde liegenden Techniken lernen möchte ~ auf der Website werden auch Workshops angeboten!

Mural Harbor
Mural Harbor

Noch mehr Bilder (266) gibt’s auf spraycity.at in der Abteilung Mural Harbor. Hier nur eine kleine Auswahl, aber im Vertrauen: meine sind ein bisserl besser photographiert! 😉

Nichtsdestotrotz wie immer vielen, vielen Dank an die phantastischen Künstler!

bird?
bird?

Und wie immer: Die Bilder mit den *-chen um den Kommentar lassen sich durch Klick vergrößern!

the weird ~ snakes
* the Weird ~ snakes *

Über the Weird gibt’s ein Video auf Youtube

Muralismo
Muralismo
Katze ~ LinaR
Katze ~ LinaR
Magst du Kunst kaufen?
Magst du Kunst kaufen?
spraying for fun
spraying for fun
lips
lips
fast photorealistisch
* fast photorealistisch *
SizeTwo
* SizeTwo *

Zu diesem Bild gibt’s ein witziges Video auf Youtube, das den Künstler bei der Arbeit an dem Werk zeigt: shaker disfunction

dog on bike
dog on bike

Ist mir der Künstler vielleicht schonmal in Südfrankreich bei Agen begegnet?

We've updated our privacy policy
We’ve updated our privacy policy
gay
gay
BOND
BOND
yabba dabba do me a favour
yabba dabba do me a favour

Auf die Idee hätte ich auch schon längst kommen können 🙂

lushsux, Australia
lushsux, Australia
lushsux, Australia
lushsux, Australia
lushsux, Australia
lushsux, Australia
Crockodile Dundee? ;)
Crockodile Dundee? 😉
Tiefseefisch mit Lampion
Tiefseefisch mit Lampion
Tiefseefisch mit Lampion
Tiefseefisch mit Lampion
Streifentechnik, b&w
Streifentechnik, b&w
~ . . . ~
~ . . . ~
der geteilte Ziegenbock
der geteilte Ziegenbock
Container im Tango-Stapel
Container im Tango-Stapel
Container gestapelt
Container gestapelt

Links:
Mural Harbor Gallery
Wikipedia über Muralismo
Wikipedia über Graffiti

suivre la Garonne

La Garonne westlich Toulouse ~ gut gefüllt
La Garonne westlich Toulouse ~ gut gefüllt
La Garonne, gut gefüllt
La Garonne, gut gefüllt

Die Entscheidung ist gefallen: Ich werde dem Lauf der Garonne bis zum Atlantik folgen, dann wird man weitersehen. Der Fluß ist vom Schmelzwasser frühlingshaft gut gefüllt, und bei der Weiterfahrt hat sich schnell gezeigt, daß die Warnungen des freundlichen Grundbesitzers nicht unbegründet waren. Schon wenige Kilometer weiter waren immer wieder Stellen zu sehen, an denen die Uferbefestigungen weggespült waren.

Inzwischen sind wir aber weit die Garonne hinuntergetrieben, schon an Toulouse vorbei und immer noch mit der Umgewöhnung beschäftigt, die beim Überqueren einer nationalen Grenze immer fällig ist. Supermärkte mit verändertem Sortiment, Internet mit französischer SIM (wann, wann ist es endlich soweit, daß ein Datenkontingent der eh international agierenden Provider europaweit gilt? Wieso funktioniert verschlüsseltes FTP nicht bei SFR? Honi soit, qui mal . . .) und auch die Landschaft verändert sich nördlich der Pyrenäen. Überbordender Pflanzenwuchs für jemanden, der sich über den Winter an das recht karge Andalusien gewöhnt hatte . . .

Jean Moulin ~ Portrait an der gleichnamigen Schule in Blagnac
Jean Moulin ~ Portrait an der gleichnamigen Schule in Blagnac

Beim gestrigen Spaziergang ~ die Garonne entlang und zurück durch das Städtchen Blagnac ~ gleich noch eine Geschichtsstunde, Wikipedia sei Dank! Jean Moulin, dessen Portrait mir an der gleichnamigen Schule auffiel, war sozusagen die verbindend-koordinierende Person der französischen Resistance, bevor er von der Gestapo unter dem Sadisten Klaus Barbie gefaßt und gefoltert wurde. Als er Papier und Stift erhielt, um Namen von Mitkämpfern der Resitance aufzuschreiben, zeichnete er eine Karikatur seines Folterers, und obwohl ihm beide Arme, beide Beine und die meisten seiner Rippen gebrochen wurden, verriet er nichts. Er starb im Zug, der ihn ins Konzentrationslager bringen sollte, an Herzversagen . . .

Ecole Jean Moulin, Blagnac
Ecole Jean Moulin, Blagnac
l'art pour l'amour ;) ~ im Park von Blagnac
l'art pour l'amour 😉 ~ im Park von Blagnac

Es menschelt aber auch angenehm in Fronkraisch. Nicht nur die Kunst im Park von Blanac (die Liebe macht den Kopf klein und den Körper groß, ein angenehmes Gefühl gut getroffen 😉 ),auch sonst freundliche Begegnungen allenthalben, allerdings fällt es mir momentan noch schwer, nach all der Zeit nicht mehr ‚hola, bon dia‘ sondern ‚bon jour‘ zu denken, wenn man sich unterwegs freundlich zuwinkt. Nachdem wir hier in Ondes einen Platz für die Nacht gefunden hatten, wurde ich erstmal von einer Gruppe Jugendlicher angesprochen, die Fan von einem Fußballer namens Müller oder was 😉 in der Art waren, später kam mich Lauric begrüßen, der wohl meine Kamera gesehen hatte und anscheinend auch nicht an einem verlassenen Gebäude vorbeigehen kann, ohne es mit der Kamera zu erforschen. Seine Bilder veröffentlicht er auf Flickr, schaut sie euch an! Merci Lauric, enchanté!

Photographie vs Fotografie ~ pffffft!

* zwischen den Gebirgsketten eine Ebene, weites Land, weiter Himmel *
* zwischen den Gebirgsketten eine Ebene, weites Land, weiter Himmel *
* weich gewellt ~ Blick zurück zur Sierra de Maria *
* weich gewellt ~ Blick zurück zur Sierra de Maria *
* campo und cielo ~ Land und Himmel ~ noch weiter *
* campo und cielo ~ Land und Himmel ~ noch weiter *

Der alte Herr Magirus frißt Kilometer und Bergketten. Nach der Sierra de Las Estancias und der Sierra de Maria sind wir jetzt an der Puerta del Pinar zwischen der Sierra de la Sagra und der Sierra de Taibilla angekommen, auf 1600 Metern und einer Nachttemperatur gerade mal eben über Zero . . .

Zwischendrin eine weite Ebene mit teilweise schnurgeradem Straßenverlauf. Ich frage mich, ob unter der Andalusia 317 eine alte Römerstraße liegt. Eine Frage, die sich auch mit Wikikpedia, sogar in der spanischen Ausführung, nicht so einfach beantworten läßt. Jedenfalls haben die zwei ersten Bilder, obwohl gestitchte Panoramen doch eher Schnappschüsse der gestrigen Fahrt, an ein nun fast zwei Jahre altes Panorama erinnert, das ich nun in der etwas größeren Auflösung von 2000 Pixeln Breite nochmal anhänge. Die Originalauflösung von 12434 Pixeln Breite erreicht das zwar immer noch nicht, aber es füllt einen FullHD-Monitor. Das Original würde auch einem der neuen 4K-Monitore nur zu einem Drittel der Breite draufpassen. Die vergrößerungsfähigen Bilder hier im Blog (*chen um den Kommentar) entsprechen halt im Detailreichtum lange nicht dem Original . . .

Eine Nachricht aus dem Internet gestern inspiriert mich zum heutigen Thema des Blogs, und ich weiß noch nicht genau, wohin mich das führen wird. Schaumermal, dann sehn mer scho, gelle!

Der etwas seltsame Titel eines Interviews der Deutschen Welle zur Eröffnung der Photoausstellung von Wim Wenders im Düsseldorfer Museum Kunstpalast: ‚Bilder einer entleerten Welt: Wim Wenders‚. Auch die Zeit titelt etwas gesträubt: ‚Wim Wenders Blick fürs Sonderbare

Wim Wenders war für mich bis jetzt vor allem durch beeindruckende Filme bekannt, angefangen von der Highsmith-Verfilmung ‚Der amerikanische Freund‘ 1977 über ‚Paris, Texas‘ 1984, ‚Der Himmel über Berlin‘ 1987, ‚Lisbon Story‘ 1994, ‚Buena Vista Social Club‘ 1999 und ‚Pina‘ 2011, um nur die zu nennen, die ich selbst gesehen habe. Parallel zu seiner Regiekarriere hat er aber offensichtlich immer photographiert, eine Retrospektive zeigt jetzt einige seiner Photos, und ‚die haben etwas‘, um das mal so auszudrücken. Das Bild mit dem Hund vor Ayers Rock ist richtiggehend genial . . .

Das lesenswerte Interview zeigt einige Ähnlichkeiten in unserer Einstellung zur Photographie, das fängt schon mit der Schreibweise an, die wir beide trotz Rechtschreibreform (Deutschtümeln für Legastheniker in einer Zeit der Europäisierung und Globalisierung ~ wer kam blos auf die skurille Idee, international verständliche Begriffe in unverständliche deutsche Schreibweise zu verwandeln? pffffft!) hartnäckig verwenden. Photographie ist vom griechischen Wortstamm her das Zeichnen mit Licht, dem Motto, das auch über meiner Website steht. Es geht weiter mit der Einschätzung, daß Photographie im Gegensatz zur Filmerei als Teamwork eine notwendigerweise einsame Arbeit ist, weil nur im Alleingang die Möglichkeit besteht, sich wirklich auf das Objekt einzulassen, das für uns beide oft Landschaften sind. Auch in seinem Verhältnis zur Zeit in der photographischen Arbeit spricht er Dinge an, die für mich zentral im Verständnis von Welt und Photographie sind.

Unterschiede gibts natürlich auch: Wim Wenders photographiert streng analog mit einer Mittelformatkamera. Meine Mamiya 645 liegt eingelagert unter dem Sofa, ich bin heilfroh um die Möglichkeit, über die digitale Bildbearbeitung meine Vorstellungen eines Bildes zu realisieren, wie ich sie in analogen Zeiten so nicht hatte. Nicht um Bilder zu fälschen, sondern um die Aussage auf den Punkt zu bringen. Siehe da . . . Und im Gegensatz zu Wim Wenders, der immer aus der Hand photographiert, benutze ich sehr gern mein Stativ, zumindest das Einbein ist meist dabei. Zu Mittelformatzeiten habe ich es auch noch selten benutzt, aber mit einer leichten Digitalkamera hoher Auflösung stößt man sehr schnell an die Grenzen, wo sich ein Verreißen mit schlechter Detailwiedergabe rächt. Außerdem gibt mir das Stativ die Zeit und die Ruhe, die Bildkomposition auszuarbeiten.

Aber zurück zum Thema: Wie kommen die Kulturjournalisten auf die Idee dieser Titel? Bilder einer entleerten Welt ~ Wim Wenders ~ Blick fürs Sonderbare. Sind die Titel mit Wim Wenders abgesprochen? Eine kurze Durchsicht der veröffentlichten Photos bestätigt meinen Verdacht: Auf einem von zehn Photos ist silhouettenhaft eine weibliche Person abgebildet, das wars. Mit dem Fehlen von Menschen auf Bildern kann sich Kultur nicht abfinden, das ist ‚LEER‘ und ‚SONDERBAR‘, bleibt letztlich unverständlich. Und dieses Unverständnis transportiert sich auch in der sturen Schreibweise nach neuer deutscher Art entgegen der Einstellung des Künstlers, so what?

Ein kleiner Einschub am Rande, weil Wim Wenders auch Jim Jarmousch in seiner Arbeit gefördert hat und ein Link auf der Website der Deutschen Welle war (und ich dessen Filme auch seeehr mag), habe ich den auch gelesen. Der Autor Jochen Kürten verballhornt den Film ‚Down by Law‘, Unten durch Gesetz, durchgehend durch den ganzen Artikel (vom 1.4.2015, inzwischen haben wir den 19.) inklusive Bildunterschriften mit ‚Dawn by Law‘, Morgendämmerung durch Gesetz. Einen Tag später immer noch nicht korrigiert, soweit zum Thema Kompetenz, Qualitätsjournalismus, zum Thema Kultur . . . 🙁
Hier mal wirklich angebracht der Disclamer, den man auf meiner Website so nicht findet, der trotzdem und in diesem Fall ganz besonders gilt: Ich lehne jegliche Haftung für externe Links ab, deren Inhalte liegen ausschließlich in der Verantwortung der jeweiligen Autoren und Besitzer! 😉

Zurück zum Thema:
Schon vor Jahren, als ~ damaliger ~ regelmäßiger Kulturzeitschauer und Fan von Andrea Meier fiel mir auf, daß Themen, die nicht Mensch-zentriert sind, so gut wie keine Rolle spielten. Sogar wenn einmal Photographie, die Arbeit eines Photographen einen Beitrag wert war, waren in der Regel Menschen abgebildet. Ich kann mich nur an eine Ausnahme erinnern, wo es um Luftbildaufnahmen afrikanischer Landschaften und Tiere ging. Der Kulturbetrieb treibt menschliche Nabelschau, der Blick nach draußen ist ihr fremd.

Nun ist Kultur selbstverfreilich im Menschsein verankert, da sie im Gegensatz zur Natur Menschgemachtes ist. Daß sie sich Schwerpunktsmäßig mit dem Menschen befasst, erstaunt also nicht. Daß sie alles, was nicht den Menschen zum Thema hat, so gut wie ignoriert, befremdet mich schon. Denn das war nicht immer so, erreicht aber in unseren Zeiten der Selfie-‚Kultur‘ einen traurigen Höhepunkt: Man kann sogar spezielle Butt-Selfie-Sticks kaufen, auf die man sein Smartphone klemmt, um seinen eigenen Hintern zu fotografieren (man beachte die Schreibweise) und zu Fakebook oder Instagram hochzuladen.

Der Mensch ist das Maß aller Dinge . . . zumindest für den Menschen, insofern hat der alte Philosoph (nicht Filosof!) Protagoras schon recht, aber genausowenig, wie die Welt, das Universum in einen Fuß oder Meter paßt, läßt die Beschränkung auf den Menschen auch nur ansatzweise eine Erkenntnis des Universums, der Welt oder auch nur der Welt des Menschen zu. Erst das Ins-Verhältnis-Setzen des Menschen zu den Ausmaßen dessen, was außerhalb des Menschseins eben auch noch existiert, hilft da ein bisschen weiter. Und da versagt der moderne (früher: neuzeitliche) Kulturbetrieb, aber mit Karacho!

Die einzigen, die die entsprechenden Relationen des Verhältnisses vom Menschen zu seiner Welt noch im Auge haben, sind anscheinend Wissenschaftler: Geologen rechnen in Millionen von Jahren, Astronomen als Betrachter des Größten und (Astro- und Kern-)Physiker als Betrachter des kleinsten in Milliarden (genauer 13,8 über den Daumen) Jahren und als Distanz Lichtjahren (13,8 x 300000 x 60 x 60 x 24 x 365 km) . . . liegt vielleicht auch daran, daß in unserer jüdisch-christlichen und dann auch in der islamischen ‚Kultur‘ das Göttliche vermenschlicht (nach seinem Ebenbild) und damit auf menschliches Maß hinuntergebrochen wurde, während hinter den griechischen Göttern immerhin noch zwar personifizierte aber Natur-Gewalten steckten, vor denen man gerüttelt Respekt hatte. Wenn Zeus mal eben einen Blitz mit krachend Donner ins Haus schickte oder Neptun das Meer dynamisch an Land schickte, dann war das schon noch beeindruckend. Der heutige Gott jeglicher Provinienz kümmert sich nur noch darum, wer mit wem ins Bett geht und ob das Kind dann auch pflichtsgemäß ausgetragen wird. Waffen werden schon wieder für beide Kriegsparteien gesegnet, und dann aufeinander mit Gebrüll!

Und die Kunst? Ist zur Selbstdarstellungsorgie verkommen. Ob das mit den Konservendosen von Andy Warhol oder den Schießkünsten der Niki de Saint Phalle angefangen hat und wo es noch hingehen soll, keine Ahnung (aber davon viel! wie ein Kumpel von mir gerne sagt).

Über den Kunstmarkt läßt sich übrigens mehr Fundiertes sagen als über das Wesen und den Inhalt von Kunst. Dr. Martina Mettner hat das in der Zeitschrift c’t digitale Fotografie (04/14) so beschrieben (und ich hoffe, dieses kurze Zitat geht urheberrechtsmäßig durch): ‚Tatsächlich haben die meisten das Prinzip des Kunstmarktes nicht begriffen oder wollen es einfach nicht wahrhaben: Sie bieten eine Ware an, die nur wertvoll ist, wenn sie selten ist und alle sie haben wollen. Kunstmarkt ist Kapitalismus in Reinkultur . . . Der schöne Schein, es gehe um kulturelle Werte, muß unbedingt aufrecht erhalten werden, weil genau dieser ja Teil der Vermarktungsstrategie ist.‘

Zu diesem Kunstmarkt gehört logischerweise auch, daß extrem wenige Millionen für ein einziges Unikat erzielen wie Andreas Gursky, einem Feld- Wald- und Wiesenphotographen in Zeiten der Internetbildagenturen und CreativeCommons-Lizenzen für eine (große!) Veröffentlichung auf der Titelseite der Sonntagszeitung meiner seligen Heimatstadt der exorbitante Betrag von €uro 40,- (in Worten: vierzig €uro!) angeboten wird ~ und man noch dankbar sein soll, daß der Name des Photographen mit veröffentlicht wird. Wie auch immer ~ mit Dank abgelehnt!

 * das war das Photo ~ Störfall im AKW Fessenheim im Jahr 2010 *
* das war das Photo ~ Störfall im AKW Fessenheim im Jahr 2010 *

Bleibt für einen, der seit seinem 14ten Lebensjahr die Photographie als Mittel zur Entdeckung und Kommunikation seiner Welt benutzt, weiter das zu tun, was er tut, und sich das Gefühl von Sinn dabei zu bewahren. Und die Freude an dieser Arbeit, auch wenn zur Finanzierung der Reisen und des Lebensunterhalts nur ‚mein guter Name‘ auf der Kreditkarte beiträgt 😉