Köln ~ Oppidum Ubiorum ~ Colonia Claudia Ara Agrippinensium

Köln Skyline in Grau
Köln Skyline in Grau

Nun habe ich sie also besucht, die mit 1,1 Millionen viertgrößte Stadt Deutschlands, am Rhein gelegen und die ersten zwei Tage recht regnerisch und grau, weswegen die ersten beiden Bilder auch sinnigerweise gleich in Schwarz und Weiß mit den Zwischentönen grau ausgearbeitet sind. Viel mehr Farben gab es auch nicht, da ging nichts verloren 😉

Köln am Rhein ~ mit Südbrücke
Köln am Rhein ~ mit Südbrücke

Wie wir ja alle wissen 🙂 * ist die Stadt über zweitausend Jahre alt und eine römische Gründung. Der uns allen bekannte römische Feldherr und spätere Kaiser Gaius Julius Caesar hatte den auf der linken Rheinseite beheimateten Stammesverband der Eburonen bei einem Rachefeldzug gründlich ausgerottet. Die Eburonen, die vorher sogar mit Caesar gegen die Belger gekämpft hatten, griffen nach einer bedrohlich schlechten Ernte das Winterlager von 15 Kohorten der römischen Armee an, lockten die Legionäre aus dem Lager und machten sie nach und nach nieder. Rund zehntausend Legionäre fielen. Wilde Zeiten! Nur hat der Sieg den Eburonen nicht gut getan, wie gesagt, Caesar löschte die Eburonen aus. Das wiederum setzte den römischen Feldherren und Statthalter Marcus Vipsanius Agrippa in die Lage, den Stamm der wohl folgsameren Ubier von der rechten Rheinseite auf die linke umzusiedeln, wo sie die Siedlung Oppidum (eine befestigte Siedlung) Ubiorum gründeten, und damit das spätere Köln. Aber den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium, von dem der heutige Name Köln stammt, bekam die inzwischen gewachsene Stadt erst später. Agrippina die Jüngere, Tochter des Germanicus, Gattin des Kaisers Claudius und Mutter von Nero, die im Jahre 15 n. Chr. im Oppidum Ubiorum geboren worden war, erreichte es, dass Claudius im Jahre 50 n. Chr. ihre Geburtsstadt zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium („Stadt römischen Rechts am Ort eines dem Kaiser geweihten Altars, unter Claudius gegründet auf Initiative Agrippinas“) erhob. Aber das wissen wir ja schon alle, auch daß die Bürger von Colonia damit rechtlich den Römern gleichgestellt wurden, volles Bürgerrecht bekamen. Und deshalb beende ich hiermit den Ausflug in die antike Geschichte von Köln, denn wieso sollte ich euch weiter mit Dingen langweilen, die ihr schon wisst? 😉 (und wer es nicht weiß, kann es nochmal hier und hier auf Wikipedia nachlesen) . . .

Hohenzollernbrücke mit Kaiser Willhelm I ~ im Hintergrund der Dom
Köln, Hohenzollernbrücke mit Kaiser Willhelm I ~ im Hintergrund der Dom

Und dann ging die Sonne auf, wie man auf dem obigen Bild sehen kann. Grund genug, mich auf das Fahrrad zu schwingen und von unserem Standplatz am Rhein bei einer eingemeindeten Vorstadt auf dem gut ausgebauten Radweg entlang des Stromes bis in die Innenstadt zu rollen, vorbei an pfiffig im ehemaligen Hafen von Köln gebauten Wohnblöcken bis zur Hohenzollernbrücke, die mit dem Dom eine Ost-West-Achse teilt. Das Duo Hohenzollernbrücke und Dom wäre schon wieder einen wie-wir-ja-alle-wissen historischen Ausflug wert, aber ich verschiebe den eben mal ein paar Bilder nach hinten, denn wie wir tatsächlich alle auf dem übernächsten Bild sehen können . . .

noch'n Kaiser ~ Willhelm II mit Reichsadler aufm Kopf ~ und gut is!!!
noch’n Kaiser ~ Willhelm II mit Reichsadler aufm Kopf ~ und gut is!!!
Hohenzollernbrücke, voll von sogenannten Liebesschlössern
Köln, Hohenzollernbrücke, voll von sogenannten Liebesschlössern

. . . ist das Geländer der Brücke über die ganze Länge von 409,19 Metern mit sogenannten Liebesschlössern behangen. Hier gilt inzwischen der Spruch Gorbatschows ~ wer zu spät kommt, den bestraft das Leben ~ denn inzwischen kann wohl kein Liebespaar mehr einen Platz für sein Schloß finden, sie hängen dicht an dicht und klettern sogar schon das eine oder andere Kabel hoch. 2016 wurde der Bestand von Schlössern auf 500tausend geschätzt, wieviel das jetzt sind? ~ ich weiß das nicht. Nur daß mir die Assoziation von Liebe und Schloß sehr fremd und unverständlich ist, sollte doch die Liebe etwas mit der täglich erneuerten freiwilligen Entscheidung für einen Menschen zu tun haben und nicht durch ein Schloß erzwungen werden müssen. Aber so sind die Menschen halt, anscheinend 🙁

'Liebesschlösser', wild wachsend
‚Liebesschlösser‘, wild wachsend
'Liebesschlösser', wild wachsend
‚Liebesschlösser‘, wild wachsend

Köln ist eine Millionenstadt, also vieleviele Menschen. Und die einskommaeins Millionen werden noch verstärkt durch Heerschahren von Touristen wie mir selbst, die die Sehenswürdigkeiten mit ihren Kameras, inzwischen meist denen in ihren Handys, ablichten wollen. Wir sind viele, und wir kämpfen alle um die beste Perspektive, um das beste Bild. Nicht nur einmal ist es deshalb an diesem Tag dazu gekommen, daß mir die eine oder andere holde Dame mit dem Handy ins Bild gesprungen ist. Sei’s drum, so lange es auch zu meiner eigenen Freude beiträgt 😉

ins Bild gesprungen ~ auch recht :)
ins Bild gesprungen ~ auch recht 🙂
von der Hohenzollernbrücke zum Dom
von der Hohenzollernbrücke zum Dom

Aber weiter, wir gehen die Hohenzollernbrücke entlang in Richtung Dom, und hier beginnt schon wieder ein wie-wir-ja-alle-wissen geschichtlicher Ausflug. Ich mach das ganz kurz, die Fülle der Erkenntnisse aus den unten nochmal gesammelten Links zu Wikipedia-Artikeln lassen sich in einem lesbaren Blog-Beitrag einfach nicht unterbringen, wie ich nach aufwändigen leidvollen Erfahrungen zugeben muß 🙁 Wer aber mag, kann sich durch die Links durchwühlen und kommt um Einiges schlauer wieder heraus 🙂

Hohenzollernbrücke nach Sprengung durch die Wehrmacht 1945 ~ Bundesarchiv
Hohenzollernbrücke nach Sprengung durch die Wehrmacht 1945 ~ Bundesarchiv

Im zweiten Weltkrieg war die Hohenzollernbrücke die letzte intakte Brücke über den Rhein bei Köln, bis am 6. März 1945 deutsche Pioniere (es war also kein Bombenangriff, wie es der Dateititel des Bundesarchivs unterstellt) die Brücke sprengten, um die Amerikaner aufzuhalten, die aber nur wenige Tage später bei Remagen über den Rhein setzten. Die uferseitigen Bögen der alten Brücke wurden nur leicht beschädigt und konnten wiederverwendtet werden. Auch der Hauptbahnhof wurde durch Luftangriffe schwer beschädigt, von denen Köln insgesamt 262 erlebte, den ersten am 12. Mai 1940 durch britische Bomber, schon zwei Tage nach dem Beginn des Westfeldzugs.

Köln Hauptbahnhof ~ Dach aus Eisen und Glas
Köln Hauptbahnhof ~ Dach aus Eisen und Glas
Dom zu Köln, von der östlichen Rückseite aus gesehen
Dom zu Köln, von der östlichen Rückseite aus gesehen

Jetzt kommen wir endlich zum Wahrzeichen Kölns, dem Dom! Wir schleichen uns sozusagen von hinten an, schon da sieht er eindrucksvoll genug aus mit seinen vielen türmchenbewehrten Stützbögen, rechts herum vorbei, dann stehen wir vor den beiden Türmen der östlichen Fassade, wo wir den Kopf ganz nach hinten in den Nacken legen müssen, um die filigran durchbrochenen Turmspitzen sehen zu können, die über 157 Meter hochragen. Und wenn wir den Kopf wieder heruntersinken lassen, erschlagen uns die ganzen Details der Steinmetzarbeiten! Was für ein phantastischer Bau!

Dom zu Köln, von Westen, Vorderseite ~ Kopf in den Nacken . . .
Dom zu Köln, von Westen, Vorderseite ~ Kopf in den Nacken . . .
Dom zu Köln, Vorderseite, Kopf gerade . . .
Dom zu Köln, Vorderseite, Kopf gerade . . .

In vier Etappen von 1248 bis 1528, fast 300 Jahre wurde am Dom gebaut, um ihn dann als Fragment erst einmal für die nächsten fast 300 Jahre stehen zu lassen. Es gab den Chor mit dem Altarraum, das Langhaus mit den zwei Seitenschiffen, und den Stumpf des südwestlichen Turms mit einem 25 Meter hohen Kran darauf, als Symbol für das Scheitern des Projekts. Innen war der Bau durch Mauern unterteilt, zum Teil mit Notdächern gedeckt. In Köln wurde gewitzelt: »Wenn der Dom fertig ist, geht die Welt unter.

Dom zu Köln, Vorderseite, Kopf gerade . . .
Dom zu Köln, Vorderseite, Kopf gerade . . .

In mancher Hinsicht ist die Baupause aber vielleicht sogar als Glücksfall zu sehen. Denn nachdem Goethe sich 1770 für das Straßburger Münster begeisterte und einen romantischen neugotischen Architekturhype lostrat, der in den zwanziger Jahren des 19ten Jahrhunderts zur Wiederaufnahme des Baus führte, war sozusagen Barock, Rennaisance und Romantik übersprungen und der Weiterbau ging stilrein im (neu-)gotischen Stil weiter, wenn auch mit den damals modernsten Mitteln inklusive Eisen und dampfgetriebenem Werkzeug.

Dom zu Köln, Kopf nach oben, rechtes Portal
Dom zu Köln, Kopf nach oben, rechtes Portal

Die Kosten waren gewaltig: zwischen 1823 und 1880 flossen insgesamt 6,6 Millionen Taler in den Bau, nach heutiger Währung um eine Milliarde €uronen! Weil das Geld langsamer floß als gewünscht, richtete man 1864 erfolgreich eine Domlotterie ein, und die Taler flossen erheblich schneller und ergiebiger. So konnte der Dombaumeister in der Domhütte 500 Steinmetze beschäftigen und die Türme bis 1880 fertigstellen 🙂 Na, wie wär’s, ihr Herren Finanzminister in Bund und Lämdern? Noch eine Möglichkeit, denen, die zu wenig haben, mit der Hoffnung auf Reichtum das Geld aus der Tasche zu ziehen. Achso, haben wir ja schon: Toto und Lotto, Glücksspirale . . .

Dom zu Köln ~ innen ~ Raum!
Dom zu Köln ~ innen ~ Raum!
Dom zu Köln ~ innen ~ Raum!
Dom zu Köln ~ innen ~ Raum!
Dom zu Köln ~ schräg von vorn
Dom zu Köln ~ schräg von vorn

Und jetzt noch die kurze Bemerkung, was die Hohenzollern, vor allem Preußens König Friedrich Wilhelm IV und unser Kaiser Willhelm I mit dem Dom zu tun haben. Für beide war die Fertigstellung des Doms ein repräsentatives Zeichen, Friedrich Wilhelm IV beteiligte sich mit 10tausend Talern pro Jahr plus einem einmaligen Zuschuß von 100tausend Talern für den Nordturm an den Baukosten, und bei der Eröffnung nutzte der erste deutsche Kaiser Willhelm I den Dom als Demonstration für die Größe und Einheit seines neuen Kaiserreichs.

Botanischer Garten und Dom, Stahlstich um 1820 von Henry Winkles nach einer Zeichnung von Theodor Verhas
So sah der Dom noch 1820 aus, Stahlstich von Henry Winkles nach einer Zeichnung von Theodor Verhas
Dom zu Köln ~ Wasserspiele mit Löwen
Dom zu Köln ~ Wasserspiele mit Löwen
Dom zu Köln ~ Wasserspiele mit Löwen
Dom zu Köln ~ Wasserspiele mit Löwen
Dom zu Köln ~ Detail, kunstvoll mit Nieten beschlagene Türe
Dom zu Köln ~ Detail, kunstvoll mit Nieten beschlagene Türe
Dom zu Köln, Lageplan in Bronze
Dom zu Köln, Lageplan in Bronze
Luftbild Dom zu Köln ~ Dank an Google Maps
Luftbild Dom zu Köln ~ Dank an Google Maps
Achse Kölner Dom ~ Hohenzollernbrücke ~ Quelle Wikipedia
Achse Kölner Dom ~ Hohenzollernbrücke ~ Quelle Wikipedia

Aber genug der anstrengenden Geschichte, die ihr ja eh alle schon aus dem effeff . . . und auf zu einem Bummel durch die City von Köln, Eis essen oder ein Crêpe ~ aber obacht!, nicht fallen lassen!

ein Eis essen in Köln ~ und das Problem mit der Größe :)
ein Eis essen in Köln ~ und das Problem mit der Größe 🙂
oder ein Crêpe essen, eeecht französisch, aus Ente (frz Canard)
oder ein Crêpe essen, eeecht französisch, aus Ente (frz Canard)
Seifenblasen am Rheinufer
Seifenblasen am Rheinufer
auf dem Rückweg mit dem Fahrrad am Rhein ~ Südbrücke und Verladekran ~ Farben gepimpt
auf dem Rückweg mit dem Fahrrad am Rhein ~ Südbrücke und Verladekran ~ Farben gepimpt
auf dem Rückweg mit dem Fahrrad am Rhein ~ Südbrücke und Verladekran ~ B&W
auf dem Rückweg mit dem Fahrrad am Rhein ~ Südbrücke und Verladekran ~ B&W

* eine Randnotiz: Hiermit einen Gruß an Uli, der schon vor Jahrzehnten viele Geschichten erzählen konnte, die alle mit dem Satz „Wie wir ja alle wissen . . . “ anfingen und die alle von Dingen handelten, von denen die Anwesenden aber auch gar keine Ahnung hatten 🙂

Links:
Wikipedia: Geschichte der Stadt Köln
Wikipedia: Colonia Claudia Ara Agripinnensium
Wikipedia: Kölner Dom
Wikipedia: Kölner Hauptbahnhof
Wikipedia: Hohenzollernbrücke

2 Replies to “Köln ~ Oppidum Ubiorum ~ Colonia Claudia Ara Agrippinensium”

  1. Toll – sieht nach seeeeeehr viel Arbeit aus. Allein den Dom geradezustellen.
    Und natürlich hab ich das alles längst gewusst, klar, oder?
    Nö, aber ich hätte es wissen können. Dein Artikel hat lange verschollene Erinnerungen geweckt. Die Mutter meiner Studienfreundin hat für uns zu Prüfungen jeweils eine Kerze im Dom angezündet. Hat immer gewirkt. Eigentlich kein Wunder.
    Vielen Dank für An- und Einsichten, lieber Ralf 🙂

    1. Herzlichen Dank, liebe Ursula!
      Ein wenig positive Rückkopplung tut ab und an gut, vor allem, wenn das Wetter sich querlegt . . .
      Und der Dom wäre wirklich beinahe umgefallen, wenn ich nicht so dagegengedrückt hätte. Was hätten dann die Kölner gesagt, wo sie sich so lange so viel Mühe gegeben haben? 🙂

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