ein Tag grau in grau ~ und dann die Explosion in Farben!

nach einem Tag grau in grau eine Viertelstunde Sonne vor Untergang
* nach einem Tag grau in grau eine Viertelstunde Sonne vor Untergang *

Der gestrige Tag fühlte sich von Anfang an wahrlich nicht wie ein Wohlfühltag an: Vom morgendlichen Aufstehen an die ganze Welt in dicke schwarzgraue Wolken verpackt, dazu ein Sturm, der einem das Hirn durch die Ohren rausblasen konnte, Temperatur um die zehn Grad. Im Vergleich zu Deutschland hört sich das vielleicht noch komfortabel an, aber bei dem Wind und ohne die Möglichkeit, den ganzen Tag die Heizung laufen zu lassen und sich von der rauhen Natur abzukapseln? Drinnen um die 13, maximal 14 Gräder über den Tag hinweg. Ich lebe ja sozusagen in einem mobilen Sonnenkollektor, in dem es immer schnell warm wird, aber ohne Sonne läuft da nichts! Das schlägt so einem Weichei-Vagabunden und Heißduscher schon mal auf die Laune 🙁

Erst zum Abendspaziergang gab es dann zwischen sechs und halb sieben eine Viertelstunde Sonnenschein zwischen zwei Wolkenschichten gegen die Silhuette der Bergketten im Westen, für euch im ersten Bild festgehalten. Ich freu mich ja schon darauf, wieder in das Landesinnere zu fahren, sobald die Temperaturen frühlingshafter werden. Ich liebe diese rauhen, aber im weichen Licht des Abends wie des Morgens doch warm schimmernden Gebirgszüge, sanft schattierte Scherenschnitte gegen den Himmel. Aber bis dahin werden noch ein paar Wochen ins Land ziehen, allenfalls den Rand werde ich bis dahin ankratzen können. Bei Burgos hat es noch vor einer Woche heftig geschneit, mit dem Kälteeinbruch gestern wird das nicht weniger geworden sein . . .

weit im Süden ~ Cabo de San Antonio / Cabo de la Nao ~ schwebendes Kap?
* weit im Süden ~ Cabo de San Antonio / Cabo de la Nao ~ schwebendes Kap? *

Eine halbe Stunde später, wieder am Meer, Blick nach Süden in Richtung Cabo de San Antonio und Cabo de la Nao, ein Erlebnis fast wie aus einem Fantasyfilm. Die auslafende Bergkette am Kap südwestlich von Denia scheint den Kontakt zur Erde zu verlieren, sich immer wieder von der Oberfläche des Meeres abzulösen und zu schweben. Ein Effekt, der auch bei den Sonnenaufgangsbildern über dem Meer immer wieder auftritt, durch Beugung und Reflexion des Lichts scheint man über die Erdkrümmung hinausschauen zu können, die Sonne klebt wie Kaugummi am Horizont und zieht sich ein Stück weit wie Gummi, und massive Gebirgsketten schweben über dem Meer . . . Details verschwimmen im Dunst, es gibt nur noch Flächen, und es ist kaum mehr ein Unterschied zwischen Berg und Wolke.

. . . das schwebende Kap . . .
. . . das schwebende Kap . . .

Konzentriert auf die Aufnahme mit dem großen Telezoom hätte ich beinahe verpaßt, was inzwischen über mir vorging. Die längst untergegangene Sonne hat nicht nur den Himmel in Flammen gesetzt, auch das Meer darunter leuchtete wie langsam abkühlender geschmolzener Stahl. Im Minimum zwanzig Minuten wechselten die Farben der Wolken und des Meeres von gelb, gold, orange bis ins tiefste intensive dunkelrot, während der Himmel und die gerade unbeleuchteten Wolken in verschiedenen grau-, blau und sogar türkisen Tönen changierten. Die Photos sind wieder mal nur ein Abklatsch, das Gefühl, mitten drin zu sein in dieser Kugel von Farben, das läßt sich mit konventioneller Photographie nur bedingt vermitteln. Vielleicht in nicht ferner Zukunft, wenn die Technik der 3D-Virtual-Reality-Brillen auf sichereren Füßen steht und allgemein zur Verfügung steht . . .

Himmel und Meer in Flammen I
Himmel und Meer in Flammen I

Da war der Tag dann wieder mal gerettet, und es war ziemlich egal, daß zurück zu Busse die Temperatur drinnen auf zehn magere Gräder gefallen war. Ein schnelles feines Linsengericht mit schwarzen Oliven, Peperoni, Knofi und Rosinen gekocht, mit einem Klacks des griechischen Abtropfjoghurts serviert, und für ein Stündchen die Heizung (HaiTzung in Quixotscher Schreibweise!) angeschaltet und die Abendstunden nochmal im Geist rekapituliert ~ ja, es war dann doch ein schöner Tag!

Himmel und Meer in Flammen II
Himmel und Meer in Flammen II
* Himmel und Meer in Flammen III *
* Himmel und Meer in Flammen III *

Und übrigens: Ich glaub, es lohnt sich wirklich, die Bilder mit *chen anzuklicken und in groß anzusehen 🙂

* Himmel und Meer in Flammen IV *
* Himmel und Meer in Flammen IV *
Himmel und Meer in Flammen V
Himmel und Meer in Flammen V

2 Antworten auf „ein Tag grau in grau ~ und dann die Explosion in Farben!“

  1. Faszinierend, dein schwebendes Kap. Du hast zum Glück immer deine Kamera dabei.
    Danke und liebe Grüße
    Ursula

    1. Nicht immer, aber meistens. Einmal, weil ich sie doch schon öfter mal vermißt habe, dann ist die neue auch kleiner und leichter als früher die Pentax, und zum Schluß auch noch, damit mir nicht nochmal die Kamera geklaut wird . . .
      Grüßelken
      Ralf

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