Da ist erstmal eine Runde Schämen angesagt! Alle Photos in diesem Beitrag sind mit der eher unterirdischen Kamera meines Handys aufgenommen, weil ich entweder zu faul oder, wohlwollend betrachtet, zu vorsichtig war, im Nieselregen die gute Sony aus dem Rucksack zu holen (Kühe, Bäume) oder die erst gar nicht dabei hatte, wie bei dem Bild von den Schafen. Aber im Ernst, sind die nicht niedlich?
Wobei die einen tatsächlich neugierig angucken können, wie man sieht. Die Kuh war mindestens so neugierig, es fällt aber auf, daß sie einem nicht direkt ins Gesicht schauen kann. Die Augen sind seitlich und nach unten gerichtet, dahin, wo das Gras wächst. Dafür kann die Kuh nichts, aber Mensch Gutmann fragt sich dann, wie Kuh die Welt sieht. Wohl kaum, was sie direkt vor der Nase hat, dafür aber ~ leider nur zweidimensional ~ in einem weiten Winkel fast alles um sich herum. Im Kern vor allem Vorsicht und allzeit bereit zur Flucht. Ob das Futter gut ist, wird nicht gesehen, sondern gerochen.
Ob diese Hütten unter der Baumgruppe tatsächlich mein Altersruhesitz werden könnten, will ich doch bezweifeln, trotz guter Aussicht. Da bin ich ein wenig mehr Komfort gewohnt . . . 😉
Und zum Schluß ~ Tusch!!! ~ doch noch ein Bild mit der Sony, die ich mal eben in den fallenden Nebel getragen habe, wobei sie rundum winzige Tröpfchen abbekommen hat. Schön sieht sie aus, die Linde im Niesel, aber ich freu mich trotzem auf den sonnigen Tag, der für morgen angekündigt ist 🙂
Das Wetter entwickelet sich ausgesprochen dynamisch. Tagsüber meist kalt, grau, stark windig und immer wieder Nieselregen. Gegen Abend aber bricht die Sonne durch und malt einen wunderschönen Regenbogen vom klarsten Blau bis ins tiefe Purpur an den Himmel. Heute morgen zum Sonnenaufgang gegen halb sieben ein blauer Himmel fast ohne Wolken, jetzt wieder alles grau in grau und Nieselregen. Heute Nachmittag soll sich wieder die Sonne zeigen, das ist schön 🙂
Apropos grau in grau ~ wer immer sich an den blaue Wolken stören mag, die sind gerade das Gegenteil von Verfälschung durch Bildbearbeitung. Den automatischen Weißabgleich in meiner Kamera habe ich deaktiviert und auf das Normlicht eines Sonnentages mit wenig Wölkchen eingestellt, eben damit die natürlichen Farbverschiebungen im Tagesablauf auf den digitalen Bildern sichtbar werden. Das hat also genau so seine Ordnung 🙂 Wer mehr darüber wissen will, möge das hier nachlesen.
Nach einer Woche äußerst angenehmem Familienleben, in der der alte Herr Magirus allerdings von Häusern und Höfen umzingelt war, also die Aussicht in die freie Landschaft absolut unmöglich war, haben wir uns wieder ins Freie begeben, an einen Platz im Hinterland, wo wir den Blick in die Ferne genießen können. Nachdem es fast den ganzen Tag Bindfäden geregnet hat, lockern sich am Abend die Wolken etwas auf und lassen die untergehende Sonne als Spotlight auf die Bergkette der Alpen fallen, und es beginnt ein Spiel der Farben . . .
Wie immer bei Panoramaaufnahmen zeigt sich auch hier wieder der Unterschied im Sehen auf Landschaft und auf kleine Bilder. In der natürlichen Umgebung konzentriert sich der Blick auf das, was interessiert, eine leuchtende Bergkette in der Ferne scheint uns groß und nah, ’springt ins Auge‘ . . . auf einem Photo erscheint sie nur als Strich in der Ferne. Deshalb auch hier für Neulinge der Hinweis darauf, daß die Bilder mit den Sternchen um den Kommentar sich auf Klick in einem neuen Fenster formatfüllend öffnen, ein zweiter Klick zoomt in das Bild hinein und man kann im Bild durch einfaches Verschieben der Maus navigieren. Es lohnt sich also, diese Bilder mit einem ‚richtigen‘ PC anzuschauen 🙂
Was eine Wohltat! Nach mehreren dick bedeckten Tagen scheint jetz sogar ganz früh wieder die Sonne. Das tut nicht nur der Seele gut, auch die Akkus werden wieder geladen, und genug Strom für diese Internetgeschichten und auch für die HaiTzung ist vorhanden. Denn so richtig Sommer ist ja noch nicht, und morgendliche Temperaturen von drei (oder heute gar null) Grad draußen und fünf Grad drinnen sind alles andere als kuschelig. Aber von nun an geht’s bergauf, für Ostern soll das sogar bis zu zwanzig Grad haben 🙂 da geht’s mir dann gut!
Seit mehreren Tagen habe ich nun ein schönes Plätzchen direkt an der Ammer, ein Stück oberhalb des Zuflusses zum Ammersee. Der Fluß ist ähnlich reguliert wie die heimische Dreisam, aber man gibt sich auch hier Mühe, diese Regulierungen naturnäher zu gestalten, damit die Fische wieder wandern können und sich Natur ein wenig mehr ausbreiten kann, wobei der Hochwasserschutz natürlich immer noch Priorität hat. Denn die Natur ist schön, soll aber gezähmt werden, wo sie menschlichem Leben und Besitz gefährlich werden kann.
Ein Stück unterhalb meines Platzes gib es auch eine große Schleife außerhalb des regulierten Bereichs, der einen schönen Eindruck davon gibt, wie die Ammer vielleicht vor der Regulierung ausgesehen hat. Wobei diese Schleife vor einiger Zeit ausgebaggert worden ist, weil sie ~ natürlicherweise ~ zu verlanden drohte. Da kann man sich sich dann trefflich überlegen, was Natur ist. Sie entwickelt sich dynamisch und bleibt nicht immer so, wie wir sie gerne hätten 🙂
Nicht nur im Altwasser, auch im regulierten Teil, hat sich inzwischen der im 19. Jahrhundert ausgerottete Biber wieder breitgemacht und ist ausgesprochen fleißig zu Gange, um sich die Flußwelt auf seine eigenen Bedürfnisse zuzuschneiden. Dafür hat er ausgesprochen effektive Schneidezähne, wie er an dicken und dünnen Bäumen in Beweis stellt. Die Bäume freut das weniger, aber auf der anderen Seite läßt ein gefällter Baum mehr Licht auf den Boden, wodurch dort frisches Grün wachsen und gedeihen kann. Und das vergrößert wiederum die Artenvielfalt.
Ein Bild von einem Biber kann ich euch leider nicht bieten, die Biester sind scheu und sind eher in der Dämmerung aktiv. Aber wer nicht will, soll auch kein Photomodell werden, nicht wahr?
Wenn man so als Badener ins Bajuwarische fährt, hat man mindestens drei Bilder im Kopf: Alpen ~ die sind in den letzten Beiträgen vom Walchensee zu sehen; Milchkühe im Allgäu ~ die sind zur Zeit jedenfalls im Stall, nur die rückwärtig abfallenden Produkte sind überall zu riechen, weil die auf jede Wiese verklappt werden; Bayrischer Wald ~ wild und natürlich! Hah!!! Da müsste ich noch etliche Kilometer fahren. Hier gibt es überwiegend Wirtschaftswald, sprich Fichtenplantagen, in die man sich mit Unimog und schweren Vollerntern hineinwühlt, um Holz, sprich Geld herauszusägen.
Trotzdem heute ein schöner Waldspaziergang. Wenn der Eingang zum Wald so aussieht wie in den obigen Bildern, macht das in der Regel keine Freude. Aber in diesem Wald war der Boden durch Moos und Kraut schön grün, auch die Wurzeln und die Stämme sind im unteren Bereich bemoost.
Vereinzelt findet sich, vor allem am Waldrand, auch die eine oder andere Buche, schön lebendig, aber sogar tot wie oben machen die dem Auge mehr Freude. Das Moos ist bis in die Spitzen geklettert, grüne Finger durchbrechen die strengen Vertikalen der Fichten.
Der Reiz dieses Spaziergangs im Wirtschaftswald liegt aber im Detail. Wenn ein junger Buchenschößling rot durch das Laub des letzten Jahres einen poppigen Kontrast bietet zu warmgrünem Moos und kühler grünen Fichtenschößlingen, dann freut das die Seele. Auch ein kleiner mit Sternmoos bewachsener Hügel, die glattgeschliffenen Holzstrukturen eines fast verwitterten Baumstumpfes, Holzpilze, die sich an einem Stumpf gütlich tun, machen eine langweilige Stangenlandschaft interessant.
Spaziergang
Dennoch wundert mich, daß bei den überall sichtbaren Sturmschäden, von denen überwiegend die Fichten betroffen sind, die oft mitsamt dem Wurelteller aus der Erde gerissen werden, die Neuanpflanzungen dennoch wieder mit der Fichte gemacht werden. Ein Laubmischwald wäre viel widerstandsfähiger, nur die Fichte verspricht eben früheren Gewinn. Wobei, was heißt hier früher. Auch bei der Fichte vergehen Jahrzehnte, bevor die Investition wieder zurückfließt, aber bei den Laubbäumen dauert das sicher doppelt so lang . . . für Generationen vorauszudenken ist nicht wirklich mehr en vogue.
Wie groß die Kräfte sind, die die Stämme brechen, kann man sich ausmalen, wenn man diesen total zerfetzten Baumstumpf sieht oder die einzelnen Fasern eines Stammes, die sich im Bruch voneinander gelöst haben. Das Holz knickt nicht einfach um wie ein Streichholz, das man zwischen den Fingern knickt. Wenn der Sturm den Baum durch ungleiche Last dreht, dann reißt der Stamm durch die Torsion in einzelnen Fasern längs auf ~ die Kräfte sind gewaltig.
Wenn dann auch noch ein Gewitter tobt, wie gestern Nacht, dann kann das auch einen starken Laubbaum das Leben kosten. Die Energie eines Blitzes ist so groß, daß sie die Flüssigkeit in den Adern des Baumes schlagartig zum Verdampfen bringt und danach der Baum von innen verkohlt. Weglaufen kann so ein Baum schließlich nicht, und auch für uns Menschen ist der Wald bei einem Unwetter ein recht ungesunder Aufenthalt.
Und dann wurde der Wald schon fast zum Park. Weniger Nadelbäume, mehr sehr alte Laubbäume. Auf einem Hügel liegt Schloß Hirschberg am Haarsee, ein Riesenhaus mit einem Turm, aber noch gar nicht sooo alt, wie man erwarten könnte. Wer mag, kann auf Wikipedia mehr über das Schloß und seine wechselhafte Geschichte lesen. Das Schloß soll Karl Rudolf von Hirschberg, königlichem Kämmerer und Generalmajor, Kommandeur der 4. Königlich Bayerische Kavallerie-Brigade, vor ungefähr 110 Jahren um die eine Million Goldmark gekostet haben, wobei er zumindest Grund und Boden aus der Mitgift seiner Ehefrau bezahlte. Daß auch Kriege trotzdem nicht für alle ein gutes Geschäft sind, stellte sich später heraus. Durch Hyperinflation und dann wertlose Kriegsanleihen in Schwierigkeiten geraten, mußten sie das Schloß vermieten. Im dritten Reich wurde es 1943 beschlagnahmt und als „Gästehaus des Reichsaußenministeriums“ genutzt. Benito Mussolini war 1943 nach der Befreiung aus der Gefangenschaft durch deutsche Fallschirmjäger einige Zeit hier untergebracht, 1944/45 war der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy hier gefangen, bewacht von einer Hundertschaft SS und zwölf Mann der Gestapo. Vom 1. Mai 1946 bis 1961 oblag die Gebäudenutzung der US-Regierung, ab 1961 bis Juni 2000 nutzte der Bundesnachrichtendienst das Gebäude zur Schulung von Anwärtern für den höheren Dienst, mit einem Schießstand im Dachgeschoß. Zumindest zuerst geheim, spätestens ab Mitte der 1970er Jahre belauscht von der Stasi des Bruderstaates. 🙂 Über was man nicht so stolpert, wenn man nach einer kleinen Wanderung in Wikipedia nachblättert . . .
Zum Abschied noch ein ganz ruhiges und einfaches Bild, eine uralte Buche, zur Silhuette reduziert. Ich hoffe, ihr habt auch ein wenig Freude beim Lesen und Schauen gehabt, so wie ich auf dem Spaziergang und beim Verfassen des Artikels . . .
Etwas verspätet die Bilder, die am Wochenende am Walchensee entstanden sind. Außergewöhnlich schönes Wetter, außergewöhnliches Licht, außergewöhnliche Farben . . .
Die treuen Leser aus vergangenen Zeiten kennen das schon: Ein Klick auf die Bilder mit den Sternchen um den Kommentar öffnet das Bild in größerem Format, noch ein Klick zoomt in das Bild, das sich dann mit der Maus bewegen läßt. Viel Freude!
Weiter gings, schön langsam . . . inzwischen im Hinterland nördlich des Bodensees, wo die Landwirtschaft dafür sorgt, daß dem Biertrinker nicht der Hopfen ausgeht, wo es Ortsnamen wie Liebenhofen, Hübschenberg und Grünkraut gibt. Wo wir, wenn nicht zarter Dunst das Licht zu einem diffusen Schleier über die Landschaft breiten würde, in der Ferne den See und dahinter die Gipfel der Alpen sehen würden . . .
Über’s Wochenende eine Reisepause auf der Baar, der östlich des Schwarzwald gelegenen Hochebene. Geologisch gesehen sitzt der alte Herr Magirus auf einer Moräne, die aus der Eiszeit zurückgeblieben ist. Die vordringenden Gletscher schoben jede Menge Steine vor sich her und schliffen die schön rund. Auf der Wiese rechts vom alten Herrn sieht man mehr Steine wachsen als frisches Getreide, aber das mag sich noch entwickeln, bis zum Sommer.
Das Sonnenaufgangsbild war wieder eine schwierige Übung und letztlich auch eine Enttäuschung ~ der blutrot leuchtende Sonnenball, der da in die diesige Luft aufstieg, überfordert jeden Sensor und kommt deswegen so gut wie farblos rüber.
Dafür ist jetzt das Licht von einer fast greifbaren Materialität, sehr diffus, kommt aber fast von überall her. So schön!