. . . und wieder in die Berge . . .

Nachdem das an der Küste nur noch so ausgesehen hat . . .

Skyline der BetonBettenBurgen

. . . und da ein Schild aufgetaucht ist nach ‚Desert de les Palmes‘ ~ bin ich also nochmal rechts abgebogen und auf einer Pinienallee wieder in die Berge hochgefahren. Beim ‚Desert de les Palmes‘ handelt es sich um einen Naturpark, was den Vorteil hat, daß ich da tatsächlich einen Parkplatz ein paar Meter von der Straße weg gefunden habe . . . und dann gleich eine kleine Wanderung zu einer  Burg, des ‚Castillo de Montornès‘ , und diese kleine Wanderung hat sich dann bis zum Sonnenuntergang hingezogen, weil es, obwohl nur wenig mehr als ein Kilometer Weg, zum Teil eine arge Kletterei war, um an die Positionen zu kommen, von denen aus man photographieren wollen konnte ;-}

Der Turm des Castillo

 

. . . einmal 'wow!' zum Abend . . .

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen war die Sache so reizvoll, daß ich am nächsten Morgen gleich wieder da hin mußte, damit das Licht von der richtigen Seite kam . . .

Licht von Links ~ Castillo de Montornès

Die Burg, denn nichts anderes bedeutet  Castillo, ist noch aus der maurischen Zeit, zumindest der Turm ist aus dem 10. Jahrhundert, trotzdem sind noch einige gemauerte Gewölbe intakt und von oben begehbar. Da sieht man wieder, daß Architektur durchaus eine langlebige Kunstform sein kann . . . ;-}

Castillo de Montornès, Morgenstimmung

Gestern Mittag bin ich dann noch ein Stück höher den Berg hinaufgefahren, von da konnte ich heute morgen die Burg im leichten Nebel vor dem Hintergrund des Meeres sehen, inclusive Spiegelung der Sonne, die es sich heute ein wenig schwertut, die Wolken, den Nebel, oder was immer das auch ist, endlich aufzulösen . . .

Während gestern den ganzen Tag die Sonne geschienen hat, wie ich das jetzt so gewohnt bin . . . die Fahrt hierhin waren gerade mal zweieinhalb Kilometert, die sich aber gelohnt haben. Ich stehe hier mitten im Wald, wo fast nur Wanderer und Radfahrer hinkommen . . .

 

so steht sichs gut!

Das Bild entstand auf der sehr schönen Wanderung zum “Cim de Bartolo‘, dem Gipfel des Bartolo, auf dem neben einem großen Betonkreuz und einer Kapelle mit Bild vom Bartolo ein regelrechter Antennenwald installiert ist, wahrscheinlich für jeden spanischen Fernsehsender eine . . .

Spanien wohin ~ Natur, Tradition oder Moderne?

Die Antennen machen in der Regel einen etwas gepflegteren Eindruck als das Kapellchen . . .

Man hat von da oben aber einen imposanten Ausblick über die Gegend, und kann auch von oben auf das alte Karmeliterkloster herabsehen, das dem ‚Desert‘ wohl seinen Namen gegeben hat. Wüstenhaft sieht es hier wahrlich nicht aus, aber die Gläubigen wollten sich in die ‚Einöde‘ zurückziehen, zu Arbeit und Gebet . . . mit den Palmen sieht das so ähnlich aus, es gibt hier jede Menge Pinien, Palmen habe ich keine gesehen. Erst auf meinem Spaziergang zur Burg fielen kleine ‚Palmschößlinge‘ auf, die überall in der Macchia wachsen, einzelne Palmblättchen . . . es handelt sich anscheinend um eine Zwergform der Zwergpalme  ~ „Palmetto-Formation“ mit ihren kurzen, kaum den Boden überragenden Stämmen . . .

das alte Karmeliterkloster ~ es gibt noch einen Neubau . . .

Auf dem Rückweg von dieser Wanderung wieder einer dieser Ausblicke in den Abend, für den sich für mich jede Anstrengung lohnt . . .

nochmal 'wow!'

Den mit anstrengenden Klettereien erarbeiteten Hunger mußte ich dann mit einfacher, aber feiner mediterraner Kost stillen, da ich unvorsichtigerweise vor dem Abbiegen in die Berge nichts mehr eingekauft hatte . . . So gab es ’nur‘ bunte Spiralnudeln in Olivenöl, etwas Butter, Pepperoni, Knoblauch und schwarzen Oliven . . . dazu ein Glas Rotwein, Reserva aus dem Rioja, was will man mehr?

 

Raus aus dem Delta . . . rein in die Berge . . .

Windhexe
Sahara Feeling

Zum Abschied vom Ebro-Delta habe ich mir den Luxus geleistet, ein Stück den (Sand-)Strand entlang zu fahren. Das ist irgendwie witzig, das Ebro-Delta ist ein offizieller Naturpark, und Campen ist natürlich streng verboten, aber man kann ~ auch unter den Augen der Guardia ~ auf dem Strand Auto fahren. Und nachdem gegen Mittag ein ganzer Allrad-Club aus Barcelona mit gut einem Dutzend zum Teil riesiger Wüstenschiffe an mir vorbei auf die Strandpiste gefahren war, konnte ich es mir auch nicht verkneifen, auch ein allerdings recht kurzes Stückchen auf dem Strand zu fahren. An sich kein Problem, der Sand ist hart und tragfähig, aber ich hab mich dann doch wieder auf die geteerte Straße auf dem Damm begeben, sicher ist sicher!

. . . über die Reisfelder . . .
. . . auf dem Damm . . .

Anschließend dann auf der Nationalstraße gen Süden, bei Peníscola habe ich gehofft, einen schönen Standplatz zu finden, aber da ist die Küste total touristisch versaut, Betonblöcke und Hochhäuser am Strand, und am Sonntag auch massig Betrieb.

Also wieder Mal Flucht ins Hinterland, Vorberge . . . auf winzigen Straßen, Orangen- , Mandarinen- und Olivenplantagen. Auch ein Refugium von Deutschen entdeckt, mit einem originalen Tipi im Garten. Das Problem ist, daß auf diesen kleinen Sträßchen, die zum Teil von der Gemeinde für landwirtschaftliche Zwecke gebaut wurden, keiner das zusätzliche Geld für eine kleine Parkbucht neben der Straße ausgeben will ;-[ und so bin ich nach mehreren Stunden Fahrt durch diese schöne Landschaft am Rand von Càlig gelandet, auf dem Platz in einer Weggabelung. Mittelprächtig, die Dorfköter haben sich Tag wie Nacht viel zu erzählen . . . also bald weiter, wieder Richtung Süden auf der Nationalstraße ;-}

 

Im Ebro-Delta

Reisfelder in der Abenddämmerung

An sich wollte ich gestern ja weiter die Küste entlangfahren, da die Nationalstraße sich auf der Karte in einem Bogen um eine Felsbarriere herumwand, aber ein feiner grauer Strich an der Küste entlang führte. Nun, dieser Strich kann eigentlich nur die ~ in der Legende nicht aufgeführte ~ Eisenbahn gewesen sein, denn die Achsen- und Federbrechende Piste endete nach wenigen hundert Metern. Also Kommando zurück und doch Nationalstraße.

Um die Felsbarriere herum und urplötzlich wurde die Nationalstraße zum vierspurigen autobahnähnlichen Monster, ich also reflexartig die nächste, winzige Abfahrt genommen, eine schmale Straße mit erstmal uraltem Belag, die sich in Wellen und Kurven langsam ins Vorgebirge hineinbohrte. Achsen und Federn hatten wieder kräftig zu tun, auch bei mir kamen leichte Muckibudengefühle auf, aber landschaftlich sehr schön. Nicht unbedingt wild, links und rechts ab und an eine kleine Finka, der Wald wurde immer häufiger durch Olivenplantagen abgelöst. In der Ferne von Zeit zu Zeit ein Aufblitzen des Meeres . . . leider auf der ganzen Strecke kein vernünftiger Platz, um den Wagen abzustellen, sonst hätte ich da eine Übernachtung eingelegt. Immer nur Strand ist ja auch langweilig . . .

So bin ich aber doch planmäßig auf dem Ebrodelta gelandet, wo ich allerdings nach meinen Wochenendeinkäufen erst nach Sonnenuntergang angekommen bin. Der Ebro ist Spaniens größter Fluß und hat im Lauf der Zeit ein riesiges Delta im Meer vorgelagert, sehr fruchtbar, und so wird hier Reis angepflanzt.

Davon ist natürlich jetzt im Winter nichts zu sehen, auf der Fahrt, Kilometer nach Kilometer auf einem grade mal einen knappen Meter hohem Damm durch die Dämmerung waren links wie rechts die Felder mal als Stoppeln, als Schlamm oder als Wasserfläche zu sehen, je nach Bearbeitungszustand. Die Traktoren hier haben keine Gummibereifung, sondern rollen auf einer Art Gitterrädern, wie ihr auf dem Photo sehen könnt.

Und da ich jetzt doch wieder am Strand stehe, habe ich heute vor Sonnenaufgang einen Spaziergang begonnen, um das erste Aufblitzen mitzubekommen . . . man kann sich morgens anscheinend doch ohne Kaffee im Magen bewegen . . . ;-}

Guten Morgen!
Bitte Platz zu nehmen!

Die beiden Seiten . . .

in allen Dingen, nicht nur in der Politik . . .

Die Suche nach einer Möglichkeit, die einen Tanks zu leeren und den Trinkwassertank zu füllen, hat sich gestern auch wieder sehr schwierig gestaltet. Meine Internetliste hat sich nicht als sehr hilfreich herausgestellt, da scheint ein Spaßvogel herumgefahren zu sein und keine vernünftigen Adressen eingetragen zu haben, sondern nur Geo-Positionen ~ von der Ortsmitte ;-}

Zudem ist der Tourismus hier sehr auf stationäre Strandurlauber, sprich Hotel, Ferienwohnung, Campingplatz eingestellt, und das eher während der Saison. Jetzt im Winter sind die Möglichkeiten da seeehhhr beschränkt!

Im Unterschied zu Südfrankreich, wo fast in jedem Ort ein Schild an der Durchgangsstraße auf die Möglichkeit der Ver- und Entsorgung von Wohnmobilen hingewiesen hat, und diese Facilitys oft von der Gemeinde gestellt wurden, ist hier in Spanien die Welt gepflastert mit Verbotsschildern für WoMos. Es hat sich  hier noch nicht herumgesprochen, daß es eine wachsende mobile Gemeinde gibt, die zum Teil mit Mobilen, die mehrere hunderttausend Euros gekostet haben, diese Welt entdecken und in ihrem eigenen Bett schlafen wollen. Und die (ich nur eingeschränkt, da ja finanziell nicht soo potent . . .) geben auch richtig Geld aus, gehen Essen, kaufen in Läden und Boutiken ein . . .
Nun, jetzt im Winter nimmt allerdings nicht mal die Guardia Municipal die Verbotsschilder besonders ernst.

Die andere Seite ist dann die, daß ich gestern abend dann von einem Wachmann eines geschlossenen Camping-Resorts zur nächsten Tankstelle geschickt wurde, und da an der Luft- und Wassertankstelle meinen Tank füllen konnte. Da man da normalerweise nur den Kühler nachfüllt, kommt aus dem Hahn allerdings nicht sehr viel und das hat entsprechend gedauert . . . auf die Frage, was ich den dafür bezahlen solle, kam die Antwort: Nein, nein, das wäre umsonst . . . also herzlichen Dank!

Und dann habe ich doch noch mein erstes Schild auf eine Entsorgungsmöglichkeit gesehen, auf einem Campingplatz mit WoMoAbteilung. Die haben die flaue Jahreszeit für Bauarbeiten benutzt, ich konnte den Wassertank und den Toilettentank geregelt ablassen, und obwohl ich nicht bleiben wollte, wieder die Antwort ‚Nein, nein, das ist umsonst, und gute Fahrt! . . . also herzlichen Dank allen hilfsbereiten Katalonen!

Sturm . . .

Es stürmt, seit ich gestern abend hier am Strand von L’Hospitalet angekommen bin, heftig heftig! Straßenlaternen und Verkehrsschilder vibrieren kreisend. Der Bus schüttelt sich in den Federn, die Klappen der Zwangsentlüftung rappeln zornig. Ablandiger Wind bei Sonnenschein, Sand fliegt in Richtung Meer wie neulich noch in Frankreich, auch die Gischt wird zurückgeblasen auf See. Mag gut sein, daß sich auf dem doch recht engen Mediterranum eine bösartige Dünung zusammenbraut, die dann morgen oder übermorgen den Rettungsmannschaften bei der Costa Concordia das Leben schwermacht . . .

Ihr wundert euch vielleicht, daß ich das mitkriege, aber das Internet macht eben nicht nur das Schreiben von Blogs möglich, es hält mich auch über das Leben in der Innenwelt auf dem Laufenden.

Was die Costa Concordia anbetrifft, gute Seemannschaft sieht sicher anders aus, aber es ist ein sehr gutes Beispiel für die menschliche Selbstüberschätzung. Wir glauben immer viel zu lange, alles unter Kontrolle zu haben . . . eine gute Bekannte hat mich mal gefragt, ob mir das Fahren eines so großen Fahrzeugs ein Gefühl der Macht geben würde . . . was für eine Frage! Im Gegenteil, denn wenn die sieben Tonnen mal ins Rutschen geraten und irgendwo reintreiben, dann bleibt da kein Auge trocken! Und erst die Tonnen des Kreuzfahrtschiffes ~ mal eben ein bischen zu spät gesteuert . . .

A propos Macht ~ eine andere Geschichte, die mich immer wieder beschäftigt, ist die Affäre um unseren Bundespräsidenten. Eine Hand wäscht die andere, jedem das seine, mir das meiste! Was da abgeht, ist Bettelei auf allerhöchstem Niveau, wahrscheinlich muß man da oben nicht einmal mehr fragen oder die Hand aufhalten, man wartet auf die Angebote und nickt dann dezent lächelnd . . . daß der Herr Präsident sich morgens im Spiegel noch in die Augen gucken kann . . . und so geschleckt, wie der immer aussieht, verbringt er bestimmt einige Zeit vor dem Spiegel . . .

Wundern tut mich in der Politik allerdings schon lange nichts mehr, allerhöchstens die Aufregung, das So-Tun-als-ob das die Ausnahme wäre. Die Illusion, daß es sich bei Politik (oder in den Medien) zumindest am Rand noch um das sogenannte Gemeinwohl handelt, ist mir im Lauf der Jahre abhanden gekommen. Aber gibt es den Weg zurück von der Lobbykratie zur Demokratie?

Okay, okay! Schluß mit dem Ausflug in die Innenwelt, Entspannung . . .

Hab euch noch ein paar Eindrücke von meinem derzeitigen Aufenthaltsort:

. . . abstrakte Kunst in freier Wildbahn . . .
. . . abends mit Beleuchtung . . .
. . . und auch das Schilf biegt sich im Sturm . . .

Eine halbe Stunde . . .

länger hat es heute gedauert, bis die Sonne aufgegangen war, weil sie erst hinter einer morgendlichen Wolkenbank über dem Meer hochklettern mußte. Dabei ist mir aufgefallen, daß ich zwar vor ein paar Tagen mal in diesem Blog oder in einer Email ‚durchwachsenes‘ Wetter mit zeitweisem Regen erwähnt hatte, aber seither nicht mehr den meist wunderschönen Sonnenschein.

Seit vorgestern abend bin ich hier in Cunit, stehe zwischen einem kleinen Park

Verwicklungen im Park

und dem Strand. Cunit ist eine von diesen Ortschaften, wo man für nicht zu viel Geld eine Ferienwohnung direkt am Meer in 2 bis 4-stöckigen Wohnblöcken kaufen konnte, also nichts besonders Ergreifendes. Im Sommer ist hier wahrscheinlich die Hölle los, aber jetzt im Winter ist es schön ruhig, die Einheimischen führen ihre Hunde spazieren, ab und an ein Jogger oder Fahrradfahrer (grad eben sogar eine ganze Gruppe), Angler auf dem gestylten Wellenbrecher

hier werden die Wellen gebrochen . . .

. . . aber genau richtig, um die Photos von der Sagrada Famiglia auszuarbeiten und den gestrigen Artikel zu schreiben, und ein wenig Ruhe einkehren zu lassen, am Sandstrand zu joggen, in Bermudas die erstaunlich bleichen Beine bis zum Knie im Salzwasser zu kneipen (das Wasser ist gar nicht so kalt, es hat nicht viel gefehlt, und ich wäre schwimmen gegangen . . .).

Heute geht es aber weiter. Nachdem ich gestern schon vergeblich nach einer Möglichkeit gesucht habe, die einen Tanks zu leeren und die anderen zu füllen ~ meine Internetliste der Wohnmobil-Infrastruktur ist für Spanien nicht sehr ausführlich und wohl auch nicht ganz zuverlässig :-[ ~ werde ich heute weiter gen Süden rollen und die Augen offenhalten. Aber zuerst nochmal Spaziergang am Strand, und Füße baden . . .

Alsdann, wish you what, wie der polyglotte so sagt ;-} . . .

Antoni Gaudí und die Sagrada Familia

Die Fahrt mit dem Fahrrad in Richtung Innenstadt zur von Antoni Gaudí geplanten und gebauten Kathedrale Sagra Familia war an sich schon ein Abenteuer . . . Radwege gibt es manchmal auf den breiten Alleen, als schmalen Streifen auf den breiten Flanierwegen für die Fußgänger. Meistens war ich aber auf den Bus/Taxi-Spuren unterwegs, und wenn dann so ein Bus hinter einem herfährt, und der wegen dem Verkehr auf seiner gerade ausreichend breiten Spur auch nicht überholen kann . . . da beeilt man sich ganz automatisch ;-} und ich war trotzdem eine halbe Stunde unterwegs.

Sagrada Familia von Nordost

Die Kathedrale macht von der nordöstlichen Seite erstmal einen bombastischen Eindruck, beeindruckend, aber in ihrer mit unzähligen Statuen, Figuren, Ornamenten und sonstigem Schnickschnack total überladenen Art ist dieser Eindruck bei mir auch recht zwiespältig gewesen. Die Masse von Details schlägt einen schier tot . . .

und von Südwest . . .

Hier durften nur Gruppen von mehr als 20 Personen rein, also um das Gebäude herumgelaufen, und siehe da: Von der Seite aus macht sie einen sehr viel aufgeräumteren Eindruck, schlanke, nach hinten geneigte Säulen laufen oben zu Spitzbögen zusammen, und im Mittleren hängt Jesus, nur an den Handgelenken, an einem Kreuz, das waagerecht aus der Wand ragt . . .

Blick zum Altarraum

Innen wird es dann schlicht überwältigend. Ein Wald aus schlanken Säulen, die sich oben verzweigen und ins Gewölbe laufen, spannt einen dermaßen hohen Raum auf, daß man diese Höhe fast mehr empfindet als unter einem freien, blauen Himmel.

nach Süden Licht . . .

Lichtdurchflutet durch die auf der Südseite aus klarem Glas bestehenden Fenster macht der Raum einen total luftigen und riesigen Eindruck. Ehrlich, schöneres habe ich noch nicht von menschenhand erbaut gesehen!

. . . und Licht . . .

Die Photos hier geben euch hoffentlich einen kleinen Abglanz dieses Erlebnisses, mehr kann das leider nicht sein. Mehr Photos, auch in größerer Auflösung,  gibts auf www.ralfgutmann.eu, schaut unter den Aktuellen oder in der Galerie. Photographieren ist an sich erlaubt, aber nur ohne Stativ, und in einigen Bereichen, die aber wegen der Perspektive besonders interessant wären, sind keine Aufnahmen erlaubt, die sind für Gebete reserviert – es ist halt eine Kirche . . .

. . . gaaanz weit oben . . .

Anton Gaudí, Architekt der katalanischen Modernisme (bei uns hieß das Jugendstil), hat 1882 angefangen, diese Kirche zu bauen, und ist über dieser Aufgabe arm geworden und schließlich 1926 darüber gestorben. Es wird immer noch daran gebaut, und das wird wohl auch noch dauern. Immerhin: 8 von geplanten 12 Türmen, für jeden Apostel einen, stehen schon . . .

. . . und weiter wird gebaut ~ Ensemble mit Kränen . . .

Saint-Exupéry schreibt in einem seiner Bücher, ich glaube es war Terre des Hommes (deutsch Wind, Sand und Sterne) von einem Schuster, der sich im Lauf seines Lebens in Schuhe verwandelt . . . Gaudí hat sich, unter anderem, in die Sagrada Familia verwandelt, und das war, glaube ich, ein erfülltes und Sinn-volles Leben . . .
Die 13 €uro Eintritt haben sich auf jeden Fall gelohnt, keine Frage . . . daß allerdings während meines Besuchs der Kirche mein mit viel Liebe individualisiertes Fahrrad von einem Schlawiner zu einer Spritztour überredet wurde, von der es den Rückweg nicht mehr gefunden hat 8-[ . . . das hätte nicht unbedingt sein müssen! Zumindest an so einem Ort könnte der liebe Gott schon aufpassen, daß da nichts weg kommt . . .
Nun, die Chance, in einer Millionenstadt ein geklautes Fahrrad wiederzubekommen, sind wohl nicht sehr hoch. Eine Anzeige bei der Polizei hätte sich schon deswegen nicht gelohnt, nur den Rest des Nachmittags gekostet. Wundern tuts mich allerdings, weil erstens das Fahrrad nun wirklich nicht mehr neu und schick ausgesehen hat, und zweitens ein groß angelegtes Fahrradleihsystem in Barcelona installiert ist . . . man kann sich fast überall ein Fahrrad von einem Stellplatz nehmen, fährt damit wohin man muß und stellt es wieder an einem anderen Stellplatz ab . . . Nun ja, so gings halt zu Fuß weiter, zu einem Stadtbummel durch das Barri Gòtic, das alte Judengetto, wo die Gassen so eng sind, daß das Fahrradfahren eh verboten ist . . . und dann die Ramblas entlang (die wohl im Plural angeführt werden, weil zwischen zwei Einbahnstraßen eine breite Fußgängerallee bis zum Hafen führt ;-}, den überdachten Markt, den Hafen . . . Barcelona ist eine schöne Stadt, in der man sich durchaus wohlfühlen kann (mit einem gescheiten Fahrradschloß!), mit allen Vorzügen des Großstadtlebens im Süden, zum Beispiel, daß da auch im Januar die Weiblichkeit im Minirock flanieren kann . . .
Für den Heimweg habe ich dann das U-Bahnsystem benutzt, aber mangels genauer Ortskenntnis bin ich wohl mindestens 2 Stationen zu früh ausgestiegen, da war ich noch 2,6 Kilometer Luftlinie von meinem Bus weg. Das ich das so genau sagen kann? Nun, ein Segen für den Vagabunden ohne Ortskenntnis ist das Smartphone mit eingebautem GPS, dem man, wenn man daran denkt, vorher mitteilen kann, daß es sich einen Standort merken soll, und das einen dann auch wieder dahin zurückführt ;-} Allerdings mit der irritierenden Angewohnheit, bei jeder mit Energiesparlampe bestückten Straßenlaterne und bei jedem Bauzaun aus Blech eine andere Richtung anzuzeigen, weil der Magnetsensor dann Norden in einer anderen Richtung wähnt ;-[
So hat das also bis halb 11 gedauert, daß ich den Bus wiedergefunden habe, und ich war richtig geschafft und total steif!
Aber ohne dieses Gadget hätte ich den Bus in dieser Riesenstadt nie wiedergefunden . . .

Bin mal wieder da!

Wie der interessierte Leser sieht, bin ich wieder online ~ dazu mußte ich aber erstmal nach Barcelona reinfahren, denn in so einer Großstadt ist die Auswahl doch etwas größer als draußen auf dem Land . . . und bei yoigo 20 € abgedrückt, dafür eine SIM mit 20 € Guthaben, einem Monat Internet gratis, 20 SMS gratis, mit Steuer 9,44 € Internet für die Folgemonate, 500MB Limit . . . Kann man nix sagen gegen das Angebot, wenn ich denn alles richtig verstanden habe ;-}

Ansonsten ist das Wetter hier inwischen auch sehr durchwachsen, nur ab und an mal Sonne, ansonsten dicke Wolken, zwischendurch auch mal Regen.

Den Sonntag hatte ich am Rand eines Industriegebiets bei Llica del Vall (denkt euch an dem ‚c‘ unten noch ein Häkchen hin wie im Französischen). In so einem Industriegebiet ist es Sonntags immer schön ruhig, gerade richtig, wenn man ein bischen Entspannung nötig hat und bei Sonnenschein ein wenig den Bus aufräumen und ein paar Sachen reparieren will. Handyladung jetzt nicht mehr am Armaturenbrett, weil ja da kein Strom mehr ~ und nach den ganzen Umbauten doch noch den Fehler vorne entdeckt: Eine ansonsten intakte Sicherung war durch Oxidation an einem Ende sehr gut isoliert. Jetzt tut das wieder!

Die Fahrt heute nach Barcelona war dann wieder aufregend. Zuerst wurde ich wieder durch die Beschilderung verwirrt und landete aus Versehen auf der kostenpflichtigen Autobahn (2,43 €, also zu verkraften) und als ich dann da wieder runter komme, bin ich mit meinen sieben Tonnen schon mitten in einem Vorstadtzentrum, Einbahnstraßen ohne Ende! Keinerlei Ahnung, wo ich hier bin, irgendwo im Großraum Bacelona . . . Sogar die Polizei fährt hier Fahrrad und guckt mich erstmal mißtrauisch an ~ als ich dann verzweifelt die Arme hochnehme (‚Los Manos arriba!), mit den Schultern zucke und er mein Kennzeichen sieht (‚wieder mal so ein verrückter, verirrter Ausländer‘) läßt er Gnade vor Recht ergehen oder er drückt sich um eine radebrechende Unterhaltung auf wasweißichwas ;-} Jedenfalls dauert es mehr als eine halbe Stunde, bis ich einen Ausweg aus dem schlimmsten Schlamassel und einen Parkplatz finde. Und hier werde ich, glaube ich, auch über Nacht bleiben, auch wenn das hier ein wenig umtriebig ist und nicht sehr kuschelig!

Bilder heute keine, das lohnt weder vom Wetter noch vom Standplatz!

Das läßt sich steigern ;-}

offline ~ 14.1.2012, morgens
Manlleu, morgens beim Aufwachen 5,9° ~ MINUS!
Da läuft kein Wasser für Kaffee mehr aus dem Hahn, an dem hängt ein klitzekleiner Eiszapfen ~ hab ich wohl nicht ganz zugedreht ;-} Also erstmal aus dem Kofferraum den Kanister Ersatzwasser geholt, normalerweise für das Duschen gedacht. Die Heizung ballert derweil eine ganze Zeit lang im Turbomodus, bis die Temperatur auf ein annehmbares Maß steigt. Rechts geht als buchstäblicher Lichtblick die Sonne auf, das hilft!
Dafür bin ich ja nicht gerade nach Spanien gefahren . . . andererseits bin ich noch nicht allzuweit südlich und, wie ich gegen Abend feststelle, ganz schön hoch oben. Habe mich entschlossen, wieder an die Küste zu fahren, und die ausmahmsweise benutzte Autobahn führt die ganze Zeit streng abwärts!
Nicht nur die Temperaturen tragen dazu bei, daß ich mich in Spanien noch nicht so richtig wohl fühle, trotz wirklich sehenswerter Landschaften. Zum Einen gibts da ein ernsthaftes Sprachproblem. Auf Englisch traue ich mir immer zu, irgendwelchen dahergelaufenen Menschen ein Ohr abzukauen, auf Französich ~ reden wir nicht davon, absteigend geht es dann über Italienisch zu Spanisch, aber das ist wirklich nicht die Rede wert!
Schon in Südfrankreich haben die Leut bei Leibe kein Französisch mehr geredet, sondern das Oc, das mit dem Französischen nicht viel zu tun hat. Manchmal hab ich gedacht, die Leute reden auf alemannisch, aber verstanden hab ich trotzdem nix! In der Not haben die Leut halt auf französisch umgeschaltet, das ich wenigstens ein bischen verstehe . . .
Hier reden die Leute aber nicht Spanisch, das ich so gut wie gar nicht verstehe :-[ und das in Wirklichkeit Kastilianisch ist, sondern català, und das ist was ganz, ganz anderes (und dem Oc irgendwie recht ähnlich), wie ich inzwischen herausgefunden habe! Auf meiner Galizien-Reise vor einigen Jahren (Jahrzehnten?) wurde mir der galizische Dialekt als ‚eher dem portugiesischen verwandt‘ erklärt, mag sein, für mich hört sich das Català so ähnlich an wie das Galizische, das ich damals nicht verstanden habe ;-[ ~ im Übrigen ist es wirklich nicht so, daß das eine mir unsymphatische Sprache ist, im gegenteil: Sehr weich, rund , viele verwaschene Schs . . . Nur komm ich mir wirklich so vor wie auf einem anderen Planeten ausgesetzt.
Wenn ich dann, wie heute wieder mal, versuche, mir einen Handychip fürs Internet zu organisieren, wird dann die spanischsprachige Abteilung meines Kopfes zum Vakuum, in dem nur noch der Satz aus ‚Butch Cassidy and the Sundance Kid‘ (ja, auch ich bin mit amerikanischen Filmen und amerikanischer Musik sozialisiert worden!) kreist: ‚Los Manos arriba!‘ ~ aber sogar das heißt auf Català anders, nämlich so: ‚Mans enlaire!‘ Wie soll man denn das synchronisieren?!
Und wenn hier einer mal Englisch spricht oder einen Kollegen anruft, der das kann . . . hört sich das etwas seltsam und wirklich nicht vollkommen an. Deutsch spricht schon gar keiner, wieso auch, die haben genug mit ihren eigenen Fremdsprachen zu tun . . . (und wie wir Deutschen oft vergessen, diese Sprachen werden auf einem großen Teil der Erde gesprochen!).
Daß ich trotzdem immer noch kein Internet habe, liegt allerdings nicht an den Sprachproblemen, die hatten wir dank Telefonassistenz einer Kollegin so gut wie beseitigt. Auch nicht an dem hübschen Gesicht und der ansehnlichen Oberweite (pit, komischerweise männlich, im Plural mamellas, ich hab mir inzwischen ein Diccionari gekauft!) der Vodafone-Angestellten. Nein, die hatten in diesem Laden die normalen SIMs nicht vorrätig, nur die Micro-SIMs für das I-Phone . . . also muß das noch bis Montag und Barcelona warten. Vielleicht finde ich da auch die noch günstigere Variante von MasMovil aus meiner Computerzeitschrift, die in den kleineren Städten anscheinend nicht präsent sind . . .
Außerdem habe ich heute morgen eine Hochdruckreinigung verpaßt, war dringend nötig! Bei der gestrigen Gurkerei durch das Gebirge, wo die Straße stellenweise feucht war, wahrscheinlich mit Salz, weil links und rechts bei an sich angenehmen Temperaturen weiße Ränder im Rasen waren, so eingesaut, unglaublich! Und das war auch so ein bräunlicher Belag, sodaß ich mich schon gefragt habe, ob es hier wirklich überall so nach Landwirtschaft riecht oder ob ich den Geruch mit meinem Bus durch die Lande transportiere ;-} Hab mich schon gar nicht mehr in die Städte getraut, so säuisch wie mein Mobil ausgesehen hat! Jetzt strahlt er wieder, nicht ganz wie neu, aber immerhin . . .
Das zweite Problem läßt auch langsam nach ~ nachdem gestern und heute abend die Policia mehrfach an meinem Bus vorbeigefahren ist, ohne mich anzumachen (‚Los Manos arriba!‘), stehe ich in Zukunft wahrscheinlich gelassener in der Landschaft herum, man wird sehen, Perso hin oder her . . .
Und jezt ab ins Bett, morgen früh werden wir sehen, ob es wieder so kalt ist, und ob freundlicherweise die Sonne aufgeht und mich wärmt ;-}

Nach Spanien, der Wärme wegen . . .

offline ~13.1.2012, morgens

. . . bischen frisch heut morgen! . . .

Heute Morgen beim Aufstehen einskommasieben Grad ~ Minus ;-} Sonnenaufgang durch Eisblumen, sehr hübsch!
Aber sobald die Sonne etwas höher steht, wird es auch wieder schön warm . . .