Und dann noch der Papst . . .

Man kann sich sicher trefflich darüber streiten, ob dem Papst als Kopf eines absolutistischen Staates oder auch als Kopf einer großen Glaubensgemeinschaft im Parlament eines demokratischen Staates das Rednerpult überlassen werden sollte. Eine Frage, die vom prinzipiellen Standpunkt her diskutiert werden sollte ~ und auch diskutiert wurde. Der Auftritt hatte zumindest den unbestreitbaren positiven Effekt, daß unseren Volksvertretern einmal ab vom politischen Phrasengedresche eine Form von Tiefsinn um die Ohren geschlagen wurde ;-}, der der politischen Debatte ansonsten seeehhhr fremd ist ~ wobei der Inhalt dieser durchaus interessanten Rede allerdings hinterfragt werden sollte . . .

Gut war erstmal, daß in der offiziellen Begrüßung sowohl vom Bundespräsidenten Christian Wulff als auch vom Bundestagspräsidenten Norbert Lammert durchaus kirchenkritische Töne angeschlagen wurden, mit der Erwartung, daß der Papst sich in seiner Rede zu dieser in der Gesellschaft sehr wohl vorhandenen Fragen an die katholische Kirche äußern würde.  Hat er, was Wunder, nicht getan!

War auch ein bischen bnond und bnauäugig, diese Erwartung. Immerhin beansprucht der hohe Gast als Papst ja (übrigens noch gar nicht so lange, erst seit dem 1. vatikanischen Konzil 1870) das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit für sich. Wie kann man bloß so arrogant sein, einen Unfehlbaren oder gar die ganze unfehlbare Kirche zu kritisieren?

Noch einen sehr typischen (Denk-) Fehler begingen übrigens beide Präsidenten. Die von ihnen bemühte Trennung zwischen Kirche und Staat ist in Deutschland eben nicht vorhanden, immerhin zieht der Staat für die Kirchen Steuern ein. Was uns Deutschen aus Gewohnheit normal, aber z.B. einem Franzosen absolut aberwitzig erscheint, ist das Ergebnis des Reichskonkordats unseres großen Diktators Hitler, der sich dadurch – erfolgreich – das Wohlwollen der Kirchen erkaufte. Es ist nicht das einzige Überbleibsel aus dieser unheiligen Zeit, um deren Herkunft sich vor allem Politiker aus den C-Parteien gedanklich immer wieder herumdrücken.

Eine andere gestern wie öfters in der vergangenen Zeit in die Öffentlichkeit verklappte Worthülse ist die der „jüdisch-christlichen Tradition“ Europas, Grundlage der abendländischen Kultur . . .
Oha! Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen hat vor allem eine antisemitische Tradition, um die sich diese Vertreter der abendländischen Kultur gerne wurzeltechnisch schamhaft herumdrücken.
Was sie eigentlich meinen, ist eine alttestamentarisch – neutestamentarische Tradition. Das alte Testament ist jüdisch durch und durch, soweit ist das korrekt. Christus war Jude, klar. Die Juden waren jedoch für die Kirche wegen ihrer angeblichen Verantwortwortung für die Kreuzigung Christi böse-böse-böse, und Kirche und Päpste haben an den antisemitischen Exzessen fleissig mitgemischt.
Der alttestamentarische Gott ist im Übrigen ein ausgesprochen blutrünstiger und rachsüchtiger Gott, und ein Egomane dazu. Anders als vom Papst in der gestrigen Rede postuliert hat dieser Gott auch normatives Recht erlassen (die 10 Gebote). Die Kirche konnte auf das alte Testament nicht zugunsten des neuen Testaments (Liebe und Toleranz) verzichten, weil sie es als machtpolitische Grundlage ihrer eigenen hierarchischen Struktur wie der mit der Kirche immer verbandelten weltlichen Herrschaft der Kaiser, Könige und Adligen „von Gottes Gnaden“ gebraucht hat. Und da, in dieser Struktur der Herrschaft von oben, und damit direkt durch den Papst, steckt zumindest die katholische Kirche (als „Apparat“) immer noch fest.

Die Rede gestern war trotz allem sehr interessant, ein Exkurs in die philosophische Geschichte nicht nur der christlichen Kirche. Und natürlich hat er als geschulter Denker und ausgebildeter Rhetoriker auch in so manchem recht, hier zum Beispiel:
„Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“
Direkt danach, als er den Theoretiker des Rechtspositivismus, Kelsen, zitiert mit den Worten “ . . . dass Normen nur aus dem Willen kommen können. Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hat. Dies wiederum würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur miteingegangen ist“ begibt er sich auf den Boden eines spekulativen Postulats, das er für die Existenz eines „Schöpfergottes“ außerhalb, oberhalb dieser Welt, dieses Universums braucht, denn aus der Überzeugung von dessen Existenz wurde „die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln“  entwickelt.

Da schlägt der Geist des Papstes gleich mehrere Volten. Mal ganz davon abgesehen, daß die katholische Kirche historisch gesehen nicht gerade für die  Entwicklung und Durchsetzung der erwähnten Rechte bekannt ist . . . wieso sollte eine „objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt,“ . . . „eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus“ voraussetzen?
Und wieso sollte es nur mit einem Schöpfergott möglich sein, „Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden“?

Leut, die Zeit läuft, ich muß . . . wird später fortgesetzt!


Sooooo . . . weiter am 25. 9. 2011 ~ Der Papst macht sich wohl jetzt fertig für seinen Abschiedsgottesdienst auf der Freiburger Messe und ist dann mal wieder weg, weit weg vom Leben der Gläubigen und Nichtgläubigen, in Rom.

Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, der Creator Spiritus. (für alle nicht lateinisch Vorgebildeten, die sich nicht vorstellen können, daß der Spiritus nicht nur in der Flasche daheim ist: Der (Er-) Schaffende Geist)

Für einen in der christlichen Tradition aufgewachsenen und geschulten Kopf ist es nicht vorstellbar, daß diese Welt nicht von einem allmächtigen Wesen erschaffen worden ist, das er Gott nennt. Deshalb nennt er die Welt auch Schöpfung und jedes Lebewesen, das sich darauf bewegt, Kreatur, das Erschaffene. Daß es in der Natur „objektive Vernunft“ gibt, ist ihm Beweis dafür, daß die Welt von einem vernünftigen Wesen, Gott, erschaffen worden ist, denn vorher war biblisch Tohuwabohu (תֹהוּ וָבֹהוּ), griechisch laut Hesiod Chaos (χάος), aus dem erst der Kosmos geschaffen wurde . . .

Was aber, wenn nicht Chaos, Durcheinander, Un-Ordnung die Grundlage dieser Welt wäre? Was, wenn es keinen Schöpfer außerhalb dieser Welt gäbe, wenn der Kosmos, die Welt, selbst und ’schon immer‘ Ordnung wäre als Prinzip des Seins?

Und wieso sollte der Mensch ohne diesen Schöpfergott blind sein für Recht, Gerechtigkeit, Frieden? Der alttestamentarische Gott selbst hat den Menschen ~ weil er die Früchte vom Baum der Erkenntnis kosten wollte ~ aus dem Paradies geworfen und damit die geistige, emotionale und spirituelle Trennung des Menschen vom Rest der Welt erst besiegelt, die den Egoismus ~ und was anderes ist Sünde? ~ erst möglich macht. Der Monotheismus, also auch das Christentum, setzt den Menschen in Opposition zu Gott und dessen Schöpfung ~ und es ward Chaos, Tohuwabohu. Wieviel Unrecht ist im Namen der Religionen begangen, wie viele Kriege geführt worden? Und wir schlittern gerade (hoffentlich noch gerade dran vorbei) in Richtung neue Religionskriege . . .

Wenn sich der Mensch als untrennbar verbundenes Teil des Kosmos begreifen würde, wenn er sich mit Welt, ob im menschlichen, ob im ökologischen, ob im übergeordneten (’spirituellen‘) Sinn, identifizieren würde, hätten wir ~ und die Welt ~ einige Probleme weniger.

Aber das ist schon wieder eher was für die phil~phi~o~sophie Seite, da werd ich diese Gedanken ein bischen weiter ausführen, wenn ich etwas mehr Luft dazu habe . . .

 

 

Morgenstund . . .

. . . mit Nebelteppich, km 329,5

Daß die Sonne jetzt im Spätsommer nicht mehr gar so früh aufgeht, hat auch so seine Vorteile ~ man verschläft nicht mehr alle Sonnenaufgänge und die Morgenstimmungen, heute in zartrosa . . . stehe auf dem französischen Rheindamm gegenüber dem Flughafen Karlsruhe / Baden-Baden, und auf der deutschen Seite war die ganze Landschaft inclusive Airport, tiefer als der Rheinkanal gelegen, mit einem Nebelteppich bedeckt, aus dem nur die Bäume herausschauten. Ein Geschenk . . .

Der Kreis ist geschlossen!

Naturdenkmal ~ Speierling

Als ich den ersten Artikel in diesen Blog geschrieben habe, das ist genau zwei Monate her, war ich in Langen südlich von Frankfurt  ~ und jetzt habe ich nach einer langen aber viel zu kurzen Tour durch die Republik inklusive der „neuen“ Länder, die ich bis dahin so gut wie gar nicht gekannt habe, Langen schon wieder verlassen . . . und erst hinterher ist mir aufgefallen, daß damit zumindest im Blog ein Kreis geschlossen wurde . . . aber die Fahrt geht noch ein Stückchen weiter!

Wie ich schon auf der Fahrt nach Norden feststellen konnte, gibt es auch in der Gegend von Frankfurt (hier: Langen) schöne Landschaft und alte Bäume. Es sind allerdings diese zwei Speierlinge und viele andere Bäume durch die Gewitterstürme im August arg beschädigt worden :-[

. . . wieder am Rhein . . .
km 409,6, von rechts nach links

Jetzt bin ich in Brühl (bei Mannheim), um Schoggi! mal den Rhein zu zeigen. Hat ne Weile gedauert, diesen Platz zu finden, den ich auf der Fahrt nordwärts vom gegenüberliegenden Ufer gesehen hatte. Sieht nicht ganz so aus wie gedacht, aber trotzdem ganz nett ~ und vor allem wieder ein schöner Sonnenuntergang, was will man mehr? Naja, wenn man genauer nachdenkt, fällt einem vielleicht schon noch was ein, oder?

So, und jetzt werd ich nochmal rausgehen und den obligatorischen Abendspaziergang mit Schoggi! machen, bevor ich ins Bett gehe . . . also gute Nacht mal, miteinander!

So e Lumbeding! – oder:
Schoggi!’s Erfahrungen in der Gastronomie ;-}

Zwei angenehme Tage mit Freunden, genauer gesagt mit Silvia und Arno verbracht. Die beiden sind Schoggi!s Paten, ohne Silvia hätt‘ ich jetzt gar kein Schoggi! . . . Wenn sie damals nicht diese kleine braune Katze auf dem Baumstumpf neben der Hauptverkehrsstraße gesehen und angesprochen hätte, wär sie uns wohl auch nicht hinterhergelaufen.

Und mit dem Hinterherlaufen hat auch Schoggi!’s letztes Abenteuer angefangen, vorgestern abend . . .
Ich hatte einen ruhigen Standplatz etwas außerhalb von Gießen gefunden, einen durch eine Ortsumgehung ruhiggestellten Straßenabschnitt zu einem Ort namens Allendorf, bei Spaßvögeln auch als Aliendorf bekannt

hier sind wohl die Außerirdischen zu Hause ;-}

. . . ideal für Schoggi! . . . und für uns etwa 150 Meter weiter eine kleine Gaststätte mit Terasse, wo wir bei Speiß und Trank den Abend verbringen wollten . . .

. . . das erklärt so einiges . . .

Schoggi! war wie so oft hinterhergelaufen, olympische Katze mit dem Motto ‚Dabeisein ist alles!‘

Langer Rede kurzer Sinn: Die Sennhütte ist wohl bekannt für herzhaft gutes und reichliches Essen, der Gastraum rappelvoll und die Terasse mit rustikalen Holzbänken und Tischen wegen Regen kurz vorher feucht. Da Schoggi! sich entschlossen hatte, uns diesen Abend zu begleiten, liehen wir uns ein Geschirrtuch und trockneten uns eine Bank, während Schoggi! Terasse und danebenliegenden Spielplatz untersuchte. Auch das Auftauchen weiterer Gäste konnte sie nicht abhalten. Schoggi! liebt Gesellschaft und war immer um uns herum!

Ein Kottlett und ein Weizen später konnte man Schoggi! indigniert aus dem Gastraum stolzieren sehen, verfolgt von einer Dame, die den Spruch von sich ließ, der den Titel dieses Artikels hergegeben hat. Die Dame war nicht damit einverstanden, daß Schoggi! bei ihr auf dem Tisch an der Unterhaltung teilnehmen wollte . . . ;-}

Die freundlichen Wirtsleute, die die neugierige Schoggi! aus der Küche hinauskomplementieren mußten, spendierten eine Schale mit einer fein säuberlich zerschittenen Bratwurst, die aber keine Gnade fand. Es geht dabei nicht ums Essen – Schoggi! interessiert sich nicht für Menschenfutter, hat auch noch nie gebettelt – es geht um Gesellschaft, aber die Menschen haben halt so ihre Vorurteile!

Gestern das gleiche Spiel nochmal, allerdings mit etwas weniger Spaß, da kurz nach unserer Ankunft der Nebentisch von einer Gruppe mit gleich 3 Hunden besetzt wurde, und da mußte man natürlich erstmal einen Buckel zeigen und alles genau beobachten. Von dannen gemacht hat sich Schoggi! nicht, aber sich nach einer halben Stunde in den Hintergrund, sprich Dunkelheit, zurückgezogen, um diese unangenehmen vierbeinigen Genossen aus sicherer Distanz weiter im Auge zu behalten, bis ihre Menschen ihr Gelage (die Portionen sind wirklich gewaltig!) beendet hatten und zum Bus zurückgingen . . .

der halbe September

... und noch eins! ...

ist jetzt auch schon wieder rum, der Herbst macht sich schon stellenweise als leichter Hauch von Rot und Braun in den Laubbäumen bemerkbar. Morgentemperaturen bei 8°, aber solange noch so schöne Abendspaziergänge möglich sind, tagsüber die Sonne scheint und dann der Mond blutrot aufgeht und ein Sternenhimmel aufgespannt wird, der einem das Herz aufgehen läßt . . .

...der Mondaufgang ...

wieder da!

Der schnugglige Stellplatz Bühren von vorgestern...

...und der dazugehörige Abendhimmel...

Nach 5 Tagen intensiver und anstrengender Vorbereitung der Ausstellung, 2 Tagen Pause und einem Tag „ohne Netz kein Blog“ melde ich mich jetzt mit zwei neuen Handy-Panoramen… mit Verspätung ;-}