Endspurt! & ach Koblenz :(

die alte Brücke über die Mosel zwischen Bullay und Alf ~ oben Eisenbahn, darunter die Straße
die alte Brücke über die Mosel zwischen Bullay und Alf ~ oben Eisenbahn, darunter die Straße

Auf, Endspurt, der alte Herr Magirus düst mit 70 Stundenkilometern die Mosel hinunter bis Koblenz, und die meisten Bilder entstehen während der Fahrt, einhändig durch die Windschutzscheibe. Schnappschüsse also, aber den Verlautbarungen nach verbringe ich eh zu viel Zeit mit der Bearbeitung der Bilder, also kommt es darauf auch nicht mehr an 🙂

aus dem fahrenden Magirus ~ Mosel grün
aus dem fahrenden Magirus ~ Mosel grün

Die Mosel, an sich schon grün, kleidet sich auf diesen letzen hundert Kilometern in einen schönen und genauso grünen Mantel aus Laubbäumen, nur das Wetter ist recht grau. Für die Brücke aus genietetem Eisen, auf der zwischen Bullay und Alf (sei gegrüßt, du witziger Alien!) oben die Eisenbahn und untern die Straße die Mosel überspannt, stoppe ich kurz auf dem Seitenstreifen ~ aber dann geht es weiter durch Dörfer und Städtchen mit seltsamen Namen. Zum Beispiel St. Aldegund ~ sollte mir im Leben tatsächlich einmal eine Aldegund begegnen? Oder Ediger-Eller, nach dem mich eine verirrte Frau aus Cochem fragte, als ich dem alten Herrn Magirus die verschmierten Scheiben geputzt habe. Den Ort hatte ich gerade vor einem Kilometer durchrollt . . .

Mosel, grün
Mosel, grün
Mosel, grün
Mosel, grün

Auch durch Cochem nur noch durchgerollt, trotz eindrucksvoller Reichsburg. Wobei die ursprüngliche Reichsburg, entstanden um 1100, wohl im 17. Jahrhundert zerstört wurde, aber in den Jahren von 1868 bis 1877 von einem reichen Kaufmann im Burgenromantischen Stil wieder aufgebaut worden ist. Nun, wer hat, der darf! Und er hat es freilich nicht selbst getan, dafür kauft man seine Leut! 🙂

Cochem und Burg
Cochem und Burg
Cochem, nur Burg
Cochem, nur Burg

Koblenz selbst, eine Stadt, in der ich mich bei jedem Besuch wohlgefühlt habe, versuchte mich diesmal nachdrücklich zu enttäuschen. Der unbefestigte Parkplatz für Busse und Wohnmobile, auf dem ich immer einige Tage verbracht hatte, und von dem man gut mit dem Fahrrad an der Mosel entlang zum Deutschen Eck und damit in die Innenstadt fahren konnte, der ist inzwischen schön gepflastert, aber gesperrt. Und das schon so lange, daß das Unkraut zwischen den Pflastersteinen wuchert. Die Sinnhaftigkeit erschließt sich mir nicht einmal, falls das Gelände jetzt Privatbesitz ist. Und nebenan wird aus dem Stabilo-Baukasten und Beton-Fertigelementen ein neues Riesengebäude gebaut . . . nun steht der alte Herr Magirus also direkt neben der nachts ruhigen, aber tagsüber belebten Straße und wir genießen den Anblick auf rangierende Tieflader.

Mosel (links) trifft Rhein (rechts) ~ das Deutsche Eck ~ altes Bild von 2014
Mosel (links) trifft Rhein (rechts) ~ das Deutsche Eck ~ altes Bild von 2014

Auch am Deutschen Eck eine Enttäuschung ~ der Platz am Eck wird gerade mit neuem Belag versehen, und da ich euch nicht ein Bild von Radladern, Containern und Zäunen bieten wollte, mußte ein altes Bild von 2014 her. In dem alten Artikel könnt ihr auch einiges über Koblenz nachlesen.

gehübschter Parkplatz ~ gesperrt zur (Un-)Krautzucht, nachts mit Beleuchtung
gehübschter Parkplatz ~ gesperrt zur (Un-)Krautzucht, nachts mit Beleuchtung

Aaaaber! In meiner Lieblingseisdiele gab es tatsächlich wieder ein Schokoladeneis mit Chilli 🙂 zwar nicht die ganz dunkle Schokolade, aber immerhin! Koblenz hat also doch noch etwas zu bieten!

der Gartenzwerg wirbt für die BuGa in Heilbronn ~ im Hintergrund oben die Festung Ehrenbreitstein
der Gartenzwerg wirbt für die BuGa in Heilbronn ~ im Hintergrund oben die Festung Ehrenbreitstein

Ansonsten verabschiede ich mich zu einer kleinen Pause ~ es gilt den Geburtstag einer 88 Jahre jungen Dame zu feiern. Da ich die Schnapszahlengeburtstage für besonders feiernswert halte, ist das auch nicht mit einer Kaffee-und-Kuchen-Session getan, also entschuldigt mich für ein paar Tage . . .

noch ein Beitrag zur IAA :)

meine Kumpels, die Krähen ~ was haben sie zu besprechen?
meine Kumpels, die Krähen ~ was haben sie zu besprechen?

Meinen drei Kumpels, den Krähen an der Moselbrücke in Traben-Trarbach, ist der Blick auf die Mosel verwehrt, die haben nur den Blick auf die Fußgänger, die von der Uferpromenade die Brücke erklimmen wollen.

Blick über die Mosel
Blick über die Mosel

Ich selbst allerdings konnte am gestrigen sonnigen und heißen Sonntag den Blick über die Mosel auf eine Kette von Ausflugsautos und Motorrädern beobachten, die diesen als letzten schönen des Jahres angekündigten Tag zu einer Ausfahrt um die weit geschwungenen Kurven der Frau Mosel nutzten. Die Motorräder überwiegend laut (wobei der Lärm in der Schlucht der Mosel weit getragen wird), ein gut Teil der Autos ohne Dach unterwegs (wer sich kein Auto mit Dach leisten kann . . .). So einen Haufen Cabrios auf einem Haufen hab ich noch nie gesehen!

ampficar ~ die Alternative, die keine Angst vorm Wasser hat
ampficar ~ die Alternative, die keine Angst vorm Wasser hat

Ein ganz besonderes Cabrio gab es dann in Traben-Trarbach selbst zu sehen, ein Ampficar aus den 1960er-Jahren, laut Wikipedia das erste zivile Amphibienfahrzeug. Der heutige Beitrag zur IAA, Fahrzeuge, die man heute da nicht mehr findet 🙁

ampficar
ampficar

Das Ampficar scheint sehr seetüchtig gewesen zu sein, Wikipedia berichtet von einer Fahrt bei Windstärke 8 auf der Ostsee! Außerdem haben zwei Fahrzeuge 1962 den Ärmelkanal überquert, wobei das eine am Schluß das andere abschleppen mußte. Nobody’s perfect! Ansonsten ~ ein pfiffiges Cabrio für 4 Personen, an Land 120 Km/h schnell, auf dem Wasser Maximum 12 Km/h. Verbrauch 9 Liter auf 100 Km, auf dem Wasser je nach Geschwindigkeit 2,3 L/Stunde (5 Km/h) bis 10 L/Stunde (10 Km/h). Ja mai, wer es so eilig hat . . .

ampficar ~ doppelter Wassertrieb
ampficar ~ doppelter Wassertrieb

Wobei in der Praxis der Schwimmbetrieb wohl sehr aufwendig war ~ nach jedem Wasserausflug mußte das Fahrzeug aufgebockt und insgesamt 13 Schmiernippel mit Fett versorgt werden, die zum Teil auch nur mit ausgebauter Rücksitzbank erreichbar waren . . .

Armaturenbrett, jede Menge Knöpfe und als Luxus das Blaupunkitradio
Armaturenbrett, jede Menge Knöpfe und als Luxus das Blaupunkitradio

Kaum hatte ich dem Ampficar den Rücken zugekehrt, um weiter hoch in die Innenstadt zu laufen, kam übrigens ein Zweites die Straße hinuntergefahren! Wie gesagt, Cabriotag! Da für ein so perfekt restauriertes Fahrzeug um die 80tausend Dollar gelöhnt werden müssen, habe ich dem alten Herrn Magirus davon nicht berichtet. Er soll sich da nicht schämen müssen, daß sein Wert in €uronen sehr viel niedriger eingeschätzt wird. Aber nur für die anderen, die Banausen 🙂

1962 kostete ein Ampficar übrigens 10.500 DM, so viel wie zwei VW Käfer, was nach heutiger Kaufkraft und inflationsbereinigt rund 22.675 Euro wären. Nach Einstellung der Produktion, weil der Export in die USA, wohin die meisten Fahrzeuge gingen, wegen veränderter Vorschriften nicht mehr möglich war, kostete ein Ampficar dann von der Halde nur noch 8.385 DM. Ein Schnäppchen, sozusagen 🙂

noch mehr surreales . . .

der Blick gestern im Abendlicht über die Mosel
der Blick gestern im Abendlicht über die Mosel
der Blick gestern im Abendlicht über die Mosel
der Blick gestern im Abendlicht über die Mosel
 in der blauen Morgenstunde ~ Dunstflöckchen über dem Wasser und Wolkenschlauch oben, der der Mosel folgt . . .
in der blauen Morgenstunde ~ Dunstflöckchen über dem Wasser und Wolkenschlauch oben, der der Mosel folgt . . .
in der blauen Morgenstunde ~ Dunstflöckchen über dem Wasser und Wolkenschlauch oben, der der Mosel folgt . . .
in der blauen Morgenstunde ~ Dunstflöckchen über dem Wasser und Wolkenschlauch oben, der der Mosel folgt . . .

Trier zum zweiten . . . Sightseeing?

aaalso gut! der Dom zu Trier inklusive Liebfrauenbasilika!
aaalso gut! der Dom zu Trier inklusive Liebfrauenbasilika!

Was macht ein Gutmann in einer Stadt? In Trier? Nun, Tanks leeren, Tanks füllen. Und wenn man schon mal da ist, eine kleine Radtour in die Innenstadt und ein Stadtbummel. Und weil ich vor gut fünf Jahren schon mal da war und so gut wie keine Photos gemacht hatte, weil ich irgendwie mangels Laune oder Wetter keinen rechten Zugang zu dieser ältesten Stadt Deutschlands bekommen hatte . . . und das Wetter diesmal bombastisch gut . . . also keine Ausrede mehr . . . diesmal also das Pflichtprogramm der Postkarten- und Reiseführerbilder ~ zumindest drei 🙂

Luftbild aus dem Privathubschrauber ~ Dom und Liebfrauenbasilika
Luftbild aus dem Privathubschrauber ~ Dom und Liebfrauenbasilika

Der Dom zu Trier mit Liebfrauenbasilika, von vorne, von oben, die Porta Nigra, und gut ist! Ich weiß, ich weiß, ich bin ein Banause! Aber wer sich dafür interessiert (das tu ich sogar auch!) mag sich die verlinkten Wikipedia-Artikel anschauen, die diese Stadtgründung der Römer um Christi Geburt herum beschreiben. Iiiich mach solang einen Stadtbummel und schieße mit der Kamera das, was mich anspricht . . .

Trier ~ Porta Nigra
Trier ~ Porta Nigra
So sahen früher mal BMWs aus ~ Isetta
So sahen früher mal BMWs aus ~ Isetta

Zum Beispiel diese BMW-Isetta des Trierer Spielzeugmuseums! Die hat auch nicht nur mich interessiert 🙂 Das Bild sozusagen mein Beitrag zur IAA, der internatioalen Automobilausstellung in Frankfurt. Sooo haben früher mal Autos ausgesehen: Leergewicht 350-370kg, Hubraum 250-300cc und 12 oder 13 PS, Höchstgeschwindigkeit 85 Km/h. Das Fahrzeug brachte zuverlässig zwei nebeneinander sitzende Personen von A nach B, mit 13 Litern Benzin bis zu 400 Km weit! Das 3-Liter-Auto von 1955-1962 . . . geht doch! 🙂

BMW Isetta
BMW Isetta

So weit so toll! Man muß aber leider dazu sagen, daß die Isetta nicht von BMW entwickelt wurde. Mitte der 50er Jahre stand BMW kurz vor der Pleite, man hatte neben Motorrädern nur eine Limousine mit Sechszylinder- und einen Sportwagen mit Achtzylindermotor im Angebot, die aber am Markt nicht die Produktionskosten einbrachten. So fertigte man in Lizenz des Italieners Renzo Rivolta von 1955 bis 1962 insgesamt 161.728 Isettas und sammelte so Kapital für die weitere Entwicklung des Automobils bis zum überschweren und übermotorisierten SUV. Effektivität ins Perverse getrieben.

Verkehrstransformation
Verkehrstransformation

Aber auch die Verkehrstransformation mit dem Fahrrad setzt voraus, daß man es auch benutzt 🙂 Wobei auch das Fahrrad als Stehzeug, wenn es nur lange genug parkt, einen ästhetischen Genuß darstellt. Die Zeit macht’s!

zwei Hübsche in erhöhter Position
zwei Hübsche in erhöhter Position
Medusa artifiziell
Medusa artifiziell

Noch viel schöner fand ich diese künstlichen Medusen im Schaufenster eines Juweliers. Die Transparenz und die Schwerelosigkeit dieser profan Quallen genannten schönen Tiere aus rotem Netzstoff komponiert sind wirklich toll! Einen sehr interessanten Artikel über die lebendigen Tiere gibt es bei Planet Wissen.

Medusa artifiziell
Medusa artifiziell
Lepidoptera
Lepidoptera

Ein letzer Blick durch ein Schaufenster auf den dahinter liegenden Sichtschutz, der mir einfach so gefallen hat. Als ganzes und als Single, Lepidoptera, Schmetterlinge. Auf der Ausschnittsvergrößerung sieht man auch die Struktur des Stoffes, und wie das Licht damit spielt. Wer mag, liest wieder den Artikel aus der Wikipedia ~ kaum zu glauben, was es alles über Schmetterlinge zu wissen gibt! 🙂

Lepidopterus als Single
Lepidopterus als Single

Rasta und Nadelöhr

Rasta ~ ein Flußschiff im Nadelöhr
Rasta ~ ein Flußschiff im Nadelöhr

Nach anstrengender Fahrt gut angekommen, inzwischen schon kurz vor Luxemburg, an der Moselschleuse bei Koenigsmacker. Und da Zeuge geworden von guter Seemannschaft. Das Flußschiff Rasta in der Schleuse, ich konnte es fast nicht glauben, daß das geht! Als Schubverband 172 Meter lang und 11,45 Meter breit, das Schleusenbecken ist 176 Meter Lang und 12 Meter breit ~ da blieben auf jeder Seite 27,5 Zentimeter Raum! Für mich sah das eher nach zwanzig Zentimetern aus . . .

Rasta ~ im Schubverband 172m x 11,45m ~ Schleuse 176m x 12m
Rasta ~ im Schubverband 172m x 11,45m ~ Schleuse 176m x 12m

Sicherlich ist die Präzisionsnavigation nur durch moderne Technik möglich, Querstrahlruder und einen Mann mit Funkgerät auf dem Vorschiff. Trotzdem: Chapeau, messieurs! Noch spannender wird das bei den nächsten Schleusen bei Thionville, Richemont und Talange, die laut Liste auf Wikipedia nur 172 Meter lang sein sollen. Da müssten nominell Bug und Heck mit den Schleusentoren Kontakt haben 🙂

Schleuse ohne Schiff ~ es geht nicht gleichzeitig :)
Schleuse ohne Schiff ~ es geht nicht gleichzeitig 🙂

Obwohl ich eigentlich nicht am Kanal, der hier eine Schleife der Mosel abschneidet, sondern direkt an La Moselle parken wollte, bin ich doch froh, daß die Zufahrtsstrasse da hin zur Zeit gesperrt ist. Im Nachhinein habe ich festgestellt, daß der ursprünglich vorgesehene Platz die wunderbare Aussicht auf die vier Kühltürme des nicht Erdbebensicheren Atomkraftwerks bei Cattenom, dessen Zwischenfalliste beeindruckend ist, geboten hätte ~ darauf wird mit Dank verzichtet! 🙁

Cattenom ~ Luftbild Google Maps ~ mercie!
Cattenom ~ Luftbild Google Maps ~ mercie!

Rolling Stone

kurz vor dem Sonnenaufgang über der Mosel
kurz vor dem Sonnenaufgang über der Mosel

Die Gegend hier ist so schön, daß sie eigentlich zum Bleiben einlädt. Zumindest eine Nacht (in einem Funkloch 🙂 , obwohl hier jedes Dorf mit 4G ausgestattet zu sein scheint, und auch jeder Wald) habe ich mir gegönnt. Denn da wohnen zwei Seelen, ach!, in meiner Brust: zum Bleiben und Genießen und Nichtstun wäre man(n) wohl besser in (weiblicher) Gesellschaft, damit man(n) nicht nur virtuell kommunizieren könnte. Aber so ~ I’m a rolling stone 🙂

uuund wusch! ~ fast surreal . . . zugleich scharf und unscharf
uuund wusch! ~ fast surreal . . . zugleich scharf und unscharf

Dafür bekommt man dann auch die Sonnenaufgänge mit, heute fast psychedelisch surreal. Von der Festbrennweite auf das längere Automatik-Zoom gewechselt, das freilich recht verwirrt auf die gleichzeitige Anwesenheit von Schärfe und Unschärfe reagiert hat ~ und mich gleich mit in Verwirrung gestürzt hat. Am Besten bei den alten manuellen Objektiven bleiben, die tun, was ich will!

wild mäandernd ~ La Moselle bei Châtel
wild mäandernd ~ La Moselle bei Châtel
wild mäandernd ~ La Moselle bei Châtel
wild mäandernd ~ La Moselle bei Châtel

Zurück zur Landschaft ~ La Moselle und der Canal des Vosges fließen hier mehr oder weniger parallel nebeneinander her, mal hautnah, mal mit Abstand. Und ein Baggersee am anderen, die allermeisten schon wieder begrünt. Der Kanal wurde ja im 19ten Jahrhundert gebaut, über das Kanalnetz konnten Kies und Sand bis ans Mittelmeer, aber auch nach Belgien, Deutschland und die Metropole Paris verschifft werden. Kann gut sein, das halb Paris mit Kies und Sand von hier gebaut ist. Aber jetzt ~ alles grün mit viel Wasser überall. Sooo schön!

Canal des Vosges
Canal des Vosges
Canal des Vosges
Canal des Vosges

und weiter die Mosel . . . oder auch la Moselle

Mosel ~ gewachsen, gefaßt, in Epinal
Mosel ~ gewachsen, gefaßt, in Epinal
der alte Herr Magirus (kurzzeitig) im Hafen (und WoMoparkplatz) von Epinal
der alte Herr Magirus (kurzzeitig) im Hafen (und WoMoparkplatz) von Epinal

Der alte Herr Magirus rollt weiter, die Mosel, oder auf französisch La Moselle entlang, mehr oder weniger. In Epinal nutzen wir den Wohnmobilparkplatz für einen Spaziergang mit Photosession, aber nur kurz, dann geht es weiter. Der Hafen, der heutzutage nur noch von Sportbooten benutzt wird, ist über einen Stichkanal mit dem Canal de L’Est (seit 2003 verbal aufgespalten in Canal de Meuse und Canal des Voges) verbunden, der Epinal einerseits mit der Saône und damit mit Lyon und über die Rhone mit dem Mittelmeer verband, andererseits über die Marne (deutsch Maas) mit Belgien und dem Rhein. In alten Tagen war der Kanal eine wirtschaftlich bedeutende Verbindung zum Süden Frankreichs, Teil eines Kanalnetzes, das über das ganze Land geworfen wurde. Heute wird das alte Netz noch von der Sportschiffart benutzt, und parallel führt oft wie hier auch ein gut ausgebautes Fernradnetz.

La Moselle hinter Epinal ~ ein wenig wilder :)
La Moselle hinter Epinal ~ ein wenig wilder 🙂

Ein paar Kilometer weiter kreuzt der Stichkanal die Mosel auf einer Brücke, und ganz in der Nähe findet der alte Herr Magirus einen Ruheplatz für die Nacht an einem Flugfeld, das Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts vom französischen Militär für eine Aufklärungsstaffel angelegt wurde, für Flugzeuge und auch Beobachtungsballons. Das Elsaß und Lothringen waren ja nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 vorübergehend deutsches Gebiet, die Grenze war also nicht weit weg. Die Streitereien um den Grenzverlauf, die mit dem Entstehen der Nationalstaaten angefangen hatten, sollten auch in den nächsten zwei Weltkriegen eine Rolle spielen. Interessantes über die national-mentalen Hintergründe hier.

der Stichkanal kreuzt die Moselle auf einer Brücke
der Stichkanal kreuzt die Moselle auf einer Brücke
die Brücke des Kanals über die Moselle
die Brücke des Kanals über die Moselle

Auch wenn zur Zeit genügend Deppen die Grenzen wieder hochziehen wollen ~ unsereins genießt die freien Reisemöglichkeiten, und auch die Mosel fließt ungerührt weiter gen Westen . . .

und weiter fließt la Moselle . . .
und weiter fließt la Moselle . . .

von der Quelle bis zur Mündung

Jetzt geht's los ~ die Quelle der Mosel in den Vogesen
Jetzt geht’s los ~ die Quelle der Mosel in den Vogesen

On the road again, auf der französischen Route 66, der N66 über die Vogesen zum eigentlichen Startpunkt dieser Fahrt, der Quelle der Mosel. Die zieht sich in großem Bogen durch Frankreich, danach an der Grenze zwischen Luxemburg und Deutschland entlang und schließlich bis zu ihrer Mündung in den Rhein bei Koblenz. Diese Strecke bin ich in umgekehrter Richtung schon vor fünf Jahren gefahren, aufwärts, bei zum Teil schlechtem Wetter, jetzt soll es dem Lauf des Wassers folgend abwärts gehen, und für die nächsten Tage ist auch Sonnenschein angesagt ~ das freut den Gutmann und die Energiebilanz der Solaranlage 🙂

ein winziges Rinnsal ~ die Quelle der Mosel
ein winziges Rinnsal ~ die Quelle der Mosel

Die für die Touristen schön eingefaßte Quelle spuckt gerade mal ein dünnes Rinnsal aus, das sich im obigen Bild durch die untere Bildhälfte schwingt, aber schon einige Meter weiter schwillt sie zu einem kleinen Bach an, und gerade mal 21 Kilometer flußabwärts ist sie ein veritables kleines Flüßchen geworden, das zum angeln einläd.

die Mosel gerade mal 21 Km weiter ~ ein respektables Flüsschen
die Mosel gerade mal 21 Km weiter ~ ein respektables Flüsschen

Von der Quelle zur Mündung, das ist der grobe Plan, aber selbstverfreilich sind Abweichungen jederzeit möglich, zum Beispiel, wenn mir ein Schild ins Auge fällt zu einem Ort, den ich in jüngeren Jahren oft besucht habe, weil meine damalige Freundin an der Gegend einen Narren gefressen hatte.

Faucogney-et-la-mer ~ und die Zeit, die nicht vergeht
Faucogney-et-la-mer ~ und die Zeit, die nicht vergeht

Faucogney-et-la-mer ~ wobei ich la mer, das Meer, hier noch nie gefunden habe. Wenn man davon absieht, daß der gesamte Bodenbelag der alten Innenstadt komplett neu gemacht worden ist, macht der an diesem Sonntag völlig ausgestorbene Ort den Eindruck, als ob die Zeit hier nicht nur die letzten vierzig Jahre stehengeblieben wäre. Die Auberge, die meisten Läden, das Hotel und viele Häuser offensichtlich leer und unbewohnt, aber Mairie und Post frisch gemalt.

Faucogney-et-la-mer ~ Chez Monique ~ nicht mehr da
Faucogney-et-la-mer ~ Chez Monique ~ nicht mehr da

Der Laden von Monique, in dem es neben Büchern Lebensmittel und Kleider zu kaufen gab ~ wohl schon lange leer.Am alten Hotel au Coq Gaulois, dem gallischen Hahn, ist das Zimmerchen mit der schönen Terrasse davor möbliert zu vermieten. Ganz verwaschen und verblichen an einem Haus die Aufschrift Photographie Nouvelle ~ neue Photographie. Auch das liegt schon lange in der Zeit zurück.

Hotel Restaurant der gallische Hahn ~ möbliert zu vermieten
Hotel Restaurant der gallische Hahn ~ möbliert zu vermieten
Faucogney-et-la.mer ~ leeres Haus
Faucogney-et-la.mer ~ leeres Haus
Photographie Nouvelle ~ neue Photographie ~ auch schon eine Weile her
Photographie Nouvelle ~ neue Photographie ~ auch schon eine Weile her

Aber dann stellt sich heraus, daß der Ort deswegen so ausgestorben wirkt, weil sich alle Menschen vor der Stadt bei einem Faire Bio aufhalten, einer Art Leistungsschau und Markt für alle, die sich mit dem beschäftigen, was man so Bio nennt: Landwirte, Handwerker (z.B. ein Schmied, der noch Äxte, Messer und Gartenwerkzeuge von Hand herstellt), Kunsthandwerker, Imker und biologisches Bauen (Formsteine aus Lehm und Holzschnitzeln, interessant!). Auch daß das Wort faire machen, tun, aber auch flechten (Körbe, oder auch Netzwerke?) bedeuten kann.

Faire Bio ~ auch die Ziege zeigt Leistung :)
Faire Bio ~ auch die Ziege zeigt Leistung 🙂
zum Plateau de 1000 Etangs hier entlang!
zum Plateau de 1000 Etangs hier entlang!

Weiter dann im kühlen Licht eines bedeckten Himmels hinauf zum Plateau der tausend Teiche, Plateau de 1000 Etangs. Ob es wirklich tausend sind, das weiß man nicht genau, jedenfalls ganz schön viele auf dieser land- und forstwirtschaftlich geprägten Hochebene. Schmale Straßen, die wir so lieben, wenn uns nicht allzu Breites entgegenkommt 🙂 Unterwegs immer wieder alte Fahrräder an Leitungsmasten befestigt, anfeuernde Schriften auf der Fahrbahn. Da war wohl ein großes Fahrradrennen. Die Tour de France war es anscheinend nicht, die hat die Gegend ausgespart.

Fahräder an Masten ~ was bedeuted das?
Fahräder an Masten ~ was bedeuted das?
Etang Noir am Abend . . .
Etang Noir am Abend . . .

An einem der Teiche verbringen wir die Nacht, der Morgen geht wieder einmal damit drauf, Bilder zu bearbeiten, diesen Artikel zu schreiben und ins Netz zu stellen ~ aber jetzt, hopphopp, geht es weiter . . .

. . . Etang Noir am Morgen
. . . Etang Noir am Morgen

Wir dürfen das ~ wir wollen nur spielen?!?

Achjaaah, saaach ich mal!
Die Bundeswehr soll neue Ausgehuniformen bekommen, wie die Welt schreibt. Schick und vor allem schneidig sollen die Bundeswehrsoldaten aussehen, dafür sollen namhafte Designer engagiert werden. Das wird Cem Özdemir und Tobias Lindner freuen, die sich so gerne in Nato-Camouflage zeigen. Keiner der beiden hat auf meine Email(s) zur Sache reagiert, man ist zu beschäftigt, Cem Özdemir will ja jetzt die Führung der Bundestagsfraktion der Grünen. Der Mann hat schließlich eine Mission!

Was gibt es sonst neues in der Truppe? Die Aufregungen um Neonazis in der Bundeswehr haben sich wieder gelegt, aber passiert ist nicht viel. Eine kleine Anfrage der Linken im Bundestag hat einige Infos zu Tage gebracht: Ein Soldat am Bundeswehr-Standort Flensburg ließ sich fotografieren, wie er den Hitlergruß zeigt. „Der Beschuldigte hat danach das Foto per Whatsapp an einen Freund (kein Soldat) mit dem Kommentar ‚Sieg Heil‘ versendet“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung. Der Mann darf weiterhin ‚Dienst an der Waffe‘ ausüben. Kein Einzelfall: Es gibt 170 Verdachtsfälle mit 175 Tatverdächtigen. 82 Fälle stuft die Bundesregierung als „bestätigt“ ein, 52 als „nicht bestätigt“. Die übrigen 41 Fälle sind noch offen. Es gibt auch 28 Fälle aus dem Jahr 2018, in denen ein Verdacht bestätigt und der Zugang zu Waffen dennoch nicht unterbunden wurde. Dazu kommen 21 offene Fälle, in denen noch nicht entschieden wurde, ob die Vorwürfe zutreffen, und der Zugang zu Waffen weiter erlaubt blieb.

Der Militärische Abschirm Dienst MAD, der Geheimdienst der Bundeswehr, der gefährliche Extremisten aufspüren sollte, bearbeitet derzeit 428 „Verdachtsfälle mit Bezügen zum Rechtsextremismus“, 204 aus dem Jahr 2018. Nur in vier Fällen aus dem vergangenen Jahr kam der MAD zu dem Ergebnis, „dass es sich bei den Personen um Extremisten handelte“. Mehr Fälle, weniger Extremisten. Man hat da ganz offensichtlich andere interne Maßstäbe. Nicht nur der Verfassungsschutz scheint auf dem rechten Auge etwas blind zu sein. Infos z.B. aus dem Artikel hier.

Um einem Widerspruch gleich entgegen zu treten: Es mögen nicht viele sein, die in der Bundeswehr ultrarechte Einstellungen haben. Aber der interne Umgang damit zeigt ein massives systemisches Problem auf!

„Die Bundeswehr bildet Neonazis und Rassisten an der Waffe aus“, sagte die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke. „Die wohlklingenden Beteuerungen, die Truppe habe mit Rechtsextremismus nichts zu tun, entpuppen sich allzu häufig als bloße Lippenbekenntnisse. Gleich dutzendfach leisten Ultrarechte in der Bundeswehr Dienst und kommen, wenn sie erwischt werden, mit harmlosen Verweisen davon.“

Na denn! Aber graduell ist unsere Bundesregierung doch besser, oder? Naja, dazu zwei andere Zahlen: Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien. Angestrebtes Volumen der deutschen Rüstungsexporte an Saudi-Arabien laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung im März 2018: Null €uro.
Tatsächliches Volumen der deutschen Rüstungsexporte an Saudi-Arabien zwischen März 2018 und März 2019: 254.577.437 €uro. Mehr als eine Viertel Milliarde €uro! Zur Erinnerung: Die Saudis sind dafür bekannt, extrem islamistische Positionen zu vertreten, auch mit Waffengewalt, zum Beispiel im Jemen, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben, den sie aber regelmäßig bombardieren. Man massakriert auch schon mal kritische Journalisten in Botschaften und zersägt sie anschließend, damit man die Leiche besser beseitigen kann. Mit den Menschenrechten und der Gleichberechtigung der Frau meint man es auch nicht wirklich ernst. Aber Pecunia non olet, sagt der alte Lateiner, Geld stinkt nicht . . .

Und nochmal was zu den Kuscheleien unserer Regierung zu den Saudis. Unsere Bundespolizei will die Ausbildung des saudischen Grenzschutzes wieder aufnehmen, wie die Zeit berichtet. Die Saudis müssen halt ihre Grenzen sichern, ob sich ihre Bomben regelmäßig in den Jemen verirren ~ schnurz!

Und was gibt es Neues von der Presse, den Medien? Auf meine Kontaktversuche zur Süddeutschen Zeitung und Spiegel Online selbstverfreilich immer noch keine Antwort, aber ich bin ja geduldig und versuche es einfach nochmal, mit einem Verweis auf meine letzten Artikel in der Kategorie Polis-Angelegenheiten. Folgende Mails an die alten Verdächtigen:

Betreff: Meine Mails vom 25. August 2019
Dringlichkeitssizung des Sicherheitsrats am 22. August 2019, Ihre Berichterstattung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

leider ist in Ihrer Berichterstattung die Begründung für die von Russland und China einberufene Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen nicht erwähnt worden.
Die schon installierten und geplanten Abschußanlagen MK-41 in Polen, Rumänien und Japan können auch offensive und sogar mit nuklearen Gefechtsköpfen bestückte Marschflugkörper wie etwa den Tomahawk verschießen. Bei einer Reichweite von bis zu 1.670 Kilometer fiel das System damit klar unter den INF-Vertrag. Lange vor der einseitigen Kündigung durch Trump!
Fragen an Sie, über die sie einmal nachts meditieren können:
Glauben Sie, daß die Verantwortlichen in Russland oder China bei einer Vorwarnzeit von wenigen Minuten (im einstelligen Bereich) abwarten werden, bis verifiziert ist, welcher Gefechtskopf auf einer gestarteten Rakete montiert ist, bevor sie welche Gegenmaßnahmen ergreifen?
Glauben Sie, daß russische und chinesische Sicherheitsbedenken so irrelevant sind, daß sie für politisch interessierte Menschen in Deutschland uninteressant sind und deshalb nicht erwähnt werden müssen?
Glauben Sie, daß sie selbst nicht von den Auswirkungen betroffen wären?
Mit freundlichen Grüßen!